Solidaris - Prüfung und Beratung für Krankenhäuser

Betriebsvergleich Krankenhäuser 2021

Solidaris Betriebsvergleiche

Struktur und Leistung der einbezogenen Krankenhäuser

Solidaris Betriebsvergleiche 2022 - Grafik Krankenhäuser 1

Der Betriebsvergleich Krankenhäuser enthält für das Jahr 2021 die Angaben von rund 120 Krankenhäusern aus dem Mandantenkreis der Solidaris. Nicht in dieser Auswertung enthalten sind Spezialkliniken (z. B. reine Reha-Kliniken, reine psychiatrische oder geriatrische Krankenhäuser, Tageskliniken) und reine Belegkrankenhäuser. Die größte Gruppe bilden Krankenhäuser mit 450 und mehr Betten. Sie machen gut 30 % aller einbezogenen Krankenhäuser aus, gefolgt von Krankenhäusern mit 150 bis 249 Betten, die etwa 25 % an der Gesamtgruppe ausmachen. Die durchschnittliche Bettenzahl liegt bei 367 Betten.

 

Größengruppen der einbezogenen Krankenhäuser

Ertragslage

Solidaris Betriebsvergleiche 2022 - Grafik Krankenhäuser 2

2020 wurde das Pflegebudget aus dem DRG-Budget ausgegliedert. In dem neuen a-DRG-Case-Mix ist die pflege­rische Leistung daher nicht mehr enthalten. Ein Vergleich der von den Krankenhäusern erbrachten Leistungen, ­gemessen in Case-Mix-Punkten, Fällen oder dem Case-Mix-Index, mit den Jahren vor 2020 ist daher nicht ohne weiteres möglich. Das aus­gegliederte Pflegebudget ist mit einem Anteil von rund 20 % (2020: 19 %) an den Erlösen aus Krankenhausleistungen zu veranschlagen.

Das Jahr 2021 war für die Krankenhäuser wie bereits 2020 durch die Corona-Pandemie geprägt. Auch in diesem Jahr erhielten die Krankenhäuser im Rahmen des Covid-19-Krankenhausentlastungsgesetzes Ausgleichszahlungen, allerdings nicht mehr im selben Ausmaß wie 2020. Während die Freihaltepauschale 2020 noch 12 % der Erlöse aus Krankenhausleistungen ausmachte, lag ihr Anteil 2021 bei knapp 7 %.

Die Leistung der Krankenhäuser gemessen an der Fallzahl, bei der sich im Vorjahr die erwünschte Freihaltung von Bettenkapazitäten noch mit einem Rückgang um gut 8 % niedergeschlagen hatte, konnte 2021 wieder um rund 4 % gesteigert werden.

Die Prüfquote des medizinischen Dienstes der Krankenkassen, die 2020 coronabedingt auf 5 % reduziert worden war, wurde 2021 wieder auf den maximalen Wert von 12,5 % angehoben. Während die Absenkung der Prüfquote im Vorjahr bei den einbezogenen Krankenhäusern zu einem Rückgang der Rückforderungsquote von 3,2 % auf 1,3 % führte, gab es 2021 wieder einen leichten Anstieg auf 1,6 %.

Wesentlicher Aufwandsfaktor von Krankenhäusern ist der Personalaufwand, der rund 55 % des Aufwandes ausmacht. Betrachtet man rund 100 identische Krankenhäuser über drei Jahre, so beträgt der durchschnittliche Personalaufwand je Vollkraft 82 TEUR nach 81 TEUR im Jahr 2020 und 77 TEUR im Jahr 2019. Er hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1,2 % erhöht; im Dreijahresvergleich beträgt der Anstieg damit rund 6 %. Die Entwicklung in den drei wichtigsten Dienstarten für die identischen Krankenhäuser zeigt die nachfolgende Abbildung.

 

Personalaufwand je Vollkraft (in TEUR)

Bei Umsatzerlösen von 136 TEUR, die im Durchschnitt von einer Vollkraft erwirtschaftet werden, und einem durchschnittlichen Personalaufwand je Vollkraft von ca. 82 TEUR liegt die Personalaufwandsquote im Jahr 2021 wie im Vorjahr bei rund 60 % nach 62 % im Jahr 2019. Diese gibt an, welcher Anteil der Umsatzerlöse durch den Personalaufwand aufgezehrt wird.

Im Vergleich der Jahre 2019 bis 2021 zeigen die Jahresergebnisse der Krankenhäuser folgende Entwicklung: Im Jahr 2019, d. h. vor der Corona-Pandemie, erwirtschafteten 64 % der Krankenhäuser ein positives Ergebnis, bei 36 % war das Ergebnis negativ. Deutlich anders stellt sich die Situation im Jahr 2020 dar, in dem nach Ausbruch der Corona-Pandemie eine Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht wurden, um die Krankenhäuser wirtschaftlich zu entlasten. 78 % der einbezogenen Krankenhäuser erzielten ein positives Ergebnis, bei 22 % war das Ergebnis negativ. Im Jahr 2021 wiederum, das noch immer durch die Pandemie, aber auch durch eine Reduzierung der wirtschaftlichen Entlastung geprägt war, war das Ergebnis nur noch bei 60 % der Krankenhäuser positiv, 40 % wiesen ein negatives Ergebnis aus. Zudem hat sich das durchschnittliche Ergebnis bei den einbezogenen identischen Krankenhäusern in 2021 deutlich auf ein Drittel des Wertes von 2020 verringert. Es liegt damit wieder auf dem Niveau von 2019.

Vermögens- und Finanzlage

Solidaris Betriebsvergleiche 2022 - Grafik Krankenhäuser 3

Die Vermögensseite der einbezogenen Krankenhäuser stellt sich wie folgt dar:

Solidaris Betriebsvergleiche 2022 - Grafik Krankenhäuser 4

Die Investitionen der Krankenhäuser in Relation zum Anlagevermögen liegen im Durchschnitt mit etwa 12 % leicht über dem Vorjahreswert von 10 %, wobei der Anteil der aus Eigenmitteln finanzierten Investitionen 40 % beträgt. Bei einer Anlagenaltersquote von nahezu unverändert rund 42 % (d. h. das Sachanlagevermögen ist bereits zu 58 % abgeschrieben) sind auch in den kommenden Jahren Investitionen mit einem merklichen Eigenmitteleinsatz zu erwarten. Der durchschnittliche Deckungsfaktor (Liquidität auf kurze Sicht zu betriebsgewöhnlichem Finanzbedarf pro Woche) von 6,9 Wochen kann unter Berücksichtigung eines Einzugsfaktors von 5,5 Wochen als noch ausreichend angesehen werden. Die EBITDA-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern und nicht geförderten Abschreibungen in Relation zum Umsatz) liegt für alle einbezogenen Krankenhäuser bei durchschnittlich 2,3 % nach 3,8 % im Jahr 2020 und 1,6 % im Jahr 2019. Sie war im Geschäftsjahr 2020 insbesondere durch die Ergebnisverbesserung aufgrund der ­Corona-Erstattungen positiv beeinflusst.

Die Kapitalseite der Krankenhäuser weist folgende Struktur auf:

Der Anteil des bereinigten Eigenkapitals sowie des Kapitals mit eigenkapitalähnlichem Charakter (d. h. Eigenkapital saldiert mit Ausgleichsposten und Sonderposten) am gesamten Kapital lag im Jahr 2021 bei rund 50 %. Darlehen machten knapp 13 % des Gesamtkapitals aus, das übrige langfristige Fremdkapital betrifft insbesondere langfristige Rückstellungen. Auf kurzfristiges Fremdkapital entfällt ein Drittel der Bilanzsumme. Hier betrifft wie im Vorjahr ein Anteil von 14 % der Bilanzsumme die kurzfristigen Rückstellungen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Krankenhäuser auch 2021 auf Kompensationsmaßnahmen im Sinne von Freihaltepauschalen angewiesen waren. In Hinblick auf die aktuellen Diskussionen um einen Inflationsausgleich zeigt sich auf Basis der obigen Ausführungen zur Ertrags- und Liquiditätslage der Krankenhäuser, dass eine signifikant unzureichende Refinanzierung der Kostensteigerungen ein nicht unerhebliches Risiko für die Branche der Krankenhäuser darstellt.

phone
mail Pfeil weiß