Solidaris setzt Zeichen gegen die Ausbeutung von Young Professionals

Köln, den 18.01.2013

Seit Anfang Dezember 2012 ist die Solidaris offiziell eine „Fair Company“. Diese Auszeichnung geht mit einem Gütesiegel einher und würdigt auf Initiative von www.karriere.de (ein Online-Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche) Unternehmen, „die für eine neue Ethik in der Arbeitswelt stehen und dem akademischen Nachwuchs eine faire Chance geben“ (vgl. www.karriere.de). Doch was heißt das im Konkreten?

Trotz demografischem Wandel und Fachkräftemangel werden in Deutschland und Europa immer mehr Vollzeitstellen abgebaut und durch un- oder schlecht bezahlte Studenten- und Praktikantenjobs ersetzt. Viele Unternehmen erhoffen sich durch Personaleinsparungen Kostenminimierung und rechtfertigen diese Entscheidung mit immer steigendem Wettbewerbsdruck.


Doch diese Einsparungen gehen auf Kosten unseres Nachwuchses: jungen, motivierten und oft akademisch sehr gut ausgebildeten Absolventen. Spar-Unternehmen „spielen mit der Hoffnung der jungen Leute auf einen festen Job mit Perspektive“ (vgl. www.karriere.de). Sie versprechen Chancen, die sich in der Realität oft als reine Fiktion entpuppen: Praktikanten und Studenten bekommen oft nur wenige Einblicke in die Praxis, werden willkürlich dort eingesetzt, wo es mal gerade passt, oder zu unbezahlten Überstunden und Wochenendarbeit gezwungen. Nicht selten verdienen Hochschulabsolventen als vollzeitangestellte Trainees und Volontäre weniger als das Existenzminimum und gehören zu den so genannten Aufstockern, trotz Überstunden und Arbeitsfleiß. Doch diese Entwicklung zieht gravierende soziale und wirtschaftliche Folgen nach sich – wie z.B. BurnOut, Depressionen, fehlende Sozialkompetenzen, etc. – und muss ein Ende nehmen.


Wir von der Solidaris sind der Meinung, dass nachhaltiges, ethisches Wirtschaften der richtige Weg in die erfolgreiche Unternehmensführung ist. „Nutzen Stiften – mit Freude für Menschen“ statt „am Menschen sparen“ ist unsere Unternehmensphilosophie. Daher begrüßen wir die Fair Company-Initiative und bekennen uns verbindlich zur Einhaltung der ihr zugrunde liegenden Regeln:


Fair Companies ersetzen keine Vollzeitstellen durch Praktikanten, Volontäre, Hospitanten oder Dauer-Aushilfen.


Praktika dienen dazu, praktische Erfahrungen und neue Kenntnisse zu sammeln. Auch wenn Praktikanten in Projekte eingebunden sind und feste Aufgaben übernehmen, ersetzen sie keine festangestellten Mitarbeiter. Trainees und Volontäre erhalten einen Ausbildungsplan und einen existenzsichernden Lohn.


Fair Companies vertrösten keinen Hochschulabsolventen, der sich auf eine feste Stelle beworben hat, mit einem Praktikum.


Bewerber müssen nicht erst mit einem Praktikum einem potenziellen Arbeitgeber beweisen, dass sie für eine Festanstellung geeignet sind. Um sich gegenseitig und die Arbeitsaufgaben kennenzulernen, ist die reguläre Probezeit da.


Fair Companies ködern keinen Praktikanten mit der vagen Aussicht auf eine anschließende Vollzeitstelle.


Bestehende Praktikumsverhältnisse werden nicht mit dem Hinweis verlängert, dies ebne den Weg in die Festanstellung.


Fair Companies bieten Praktika vornehmlich zur beruflichen Orientierung während der Ausbildungsphase.


Praktikumsplätze werden überwiegend für Studierende angeboten. Ein Hochschulabschluss darf keine Bedingung für eine Beschäftigung als Praktikant sein. Freiwillige Praktika nach einem abgeschlossenen Studium (Bachelor oder Master) sind jedoch möglich. Das gilt auch für Studierende in einem Zweit- oder Aufbaustudium. Natürlich gelten auch für freiwillige Praktika die Fair Company-Regeln.


Fair Companies zahlen Praktikanten eine adäquate Aufwandsentschädigung.


Entscheidend für die Höhe des Lohns sind das Aufgabengebiet und die Vorkenntnisse des Praktikanten sowie die Dauer des Praktikums. Bei mehrmonatigen Einsätzen sollte sich das Salär am Bafög-Höchstsatz von zurzeit 670 Euro pro Monat orientieren, mindestens aber bei 300 Euro liegen. Eine geringere Bezahlung gibt es nur bei kurzen Schnupper-, Schüler- und Vorpraktika.


Wir hoffen, dass auch andere Unternehmen die Fair Company-Initiative für sich entdecken und somit ihren ethischen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten.

Weiterführende Informationen zur Initiative: http://faircompany.karriere.de/search.aspx