Ist Ihr Krankenhaus insolvenzgefährdet?

Gemäß dem Krankenhaus Rating Report 2017 waren im Jahr 2015 neun Prozent der Krankenhäuser insolvenzgefährdet und 21 Prozent wiesen einen Jahresverlust auf Konzernebene aus. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich damit die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser weiter verschlechtert.

Als Datengrundlage für die Ermittlung des Anteils der insolvenzgefährdeten Krankenhäuser des Krankenhaus Rating Reports 2017 dienten eine Stichprobe von 506 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2014 und eine Stichprobe von 201 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2015, die insgesamt 877 Krankenhäuser umfasste. Mit Hilfe der vorliegenden Jahresabschlussdaten wurde die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ermittelt. Zentraler Indikator zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage war die Ausfallwahrscheinlichkeit, die auf Grundlage eines kennzahlenbasierten  Ratings  berechnet  wurde  und  angibt,  mit  welcher Wahrscheinlichkeit das Krankenhaus innerhalb eines Jahres seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann und ggf. Insolvenz anmelden muss. Dem Rating lagen insgesamt die zehn nachfolgend genannten Kennzahlen zur Beurteilung der Ausfallwahrscheinlichkeit zugrunde:
Verschuldungsgrad (Verbindlichkeiten/Bilanzsumme)
Bankverschuldungsgrad (Bankverbindlichkeiten/Bilanzsumme)
Liquidität (Schecks und Kassenbestand/Verbindlichkeiten bis ein Jahr)
Finanzkraft (ertragswirtschaftlicher Cashflow/(Verbindlichkeiten – erhaltene Anzahlungen))
Umlaufvermögen/Umsatz
kurzfristige Verschuldung (Verbindlichkeiten bis ein Jahr/Bilanzsumme)
Reinvermögensquote (Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen/(Bilanzsumme – nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag ))
Kapitalumschlag (Umsatz/Bilanzsumme)
Wertschöpfung ((Umsatz – Materialaufwand)/Personalaufwand)
Return on Capital (Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit/Bilanzsumme)

Die Auswahl der Datengrundlage zeigt, dass das Rechnungswesen respektive der Jahresabschluss für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation einer Unternehmung von zentraler Bedeutung ist. Die Analyse des Jahresabschlusses mittels geeigneter Frühindikatoren kann also der Geschäftsführung wichtige Hinweise für die Früherkennung einer Krisensituation und insbesondere einer Insolvenzgefährdung geben. Somit ist im Hinblick auf das Rechnungswesen und die Berichterstattung eine Organisation zu schaffen, die der Geschäftsleitung des Krankenhauses jederzeit einen Überblick über die wirtschaftliche und finanzielle Situation bietet.

Das Einrichten entsprechender Verwaltungsstrukturen als Grundlage für die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Unternehmung steht zudem im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Pflicht der Unternehmensleitung, die wirtschaftliche Situation laufend im Auge zu behalten und bei Anzeichen einer krisenhaften Entwicklung entsprechende Entscheidungen zu treffen. Für Kapitalgesellschaften in der Rechtsform der GmbH ergibt sich diese Pflicht zum Beispiel aus § 43 Abs. 1 GmbHG. Und nur auf dieser Grundlage kann der GmbH-Geschäftsführer sowohl seinen Verpflichtungen nach § 49 Abs. 3 GmbHG
(unverzügliche Einberufung der Gesellschafterversammlung, wenn sich aus der Jahresbilanz oder sich aus der im Laufe des Geschäftsjahres aufgestellten Bilanz ergibt, dass die Hälfte des Stammkapitals verloren ist) als auch ggf. seiner Insolvenzantragspflicht nach § 64 Abs. 1 GmbHG nachkommen.

Die Insolvenzordnung sieht als Eröffnungsgründe für das Insolvenzverfahren Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO), drohende Zahlungsunfähigkeit (§ 18 InsO) und Überschuldung (§ 19 InsO) vor. Die gesetzlichen Vertreter einer juristischen Person (insbesondere AG, GmbH, e. V.) haben ohne schuldhaftes Zögern, spätestens jedoch drei Wochen nach Eintritt von Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung einen Insolvenzantrag zu stellen (§ 15 a InsO). Die Überprüfung der Zahlungsfähigkeit nach § 17 InsO erfolgt technisch mittels der Aufstellung eines Finanzstatus und eines Finanzplans.

Zu dem Stichtag, zu dem die Zahlungsfähigkeit der Organisation beurteilt werden soll, ist zunächst ein Finanzstatus aufzustellen. Ergibt sich aus dieser Gegenüberstellung der verfügbaren liquiden Mittel und der fälligen Verbindlichkeiten des Unternehmens eine Liquiditätslücke, ist diese in den Finanzplan zu überführen. Die Überprüfung der insolvenzrechtlichen Überschuldung nach § 19 InsO erfolgt im ersten
Schritt durch die Aufstellung einer Fortbestehensprognose. Die Fortbestehensprognose ist eine reine Zahlungsfähigkeitsprognose. Nur wenn die Fortbestehensprognose negativ ist, muss im zweiten Schritt der Überschuldungsstatus des Unternehmens geprüft werden.

Doch welche organisatorischen Voraussetzungen müssen gegeben sein, um der Unternehmensleitung jederzeit einen Überblick über die wirtschaftliche Lage zu ermöglichen, um eine Insolvenzgefährdung zu erkennen und die jeweils entsprechenden Entscheidungen treffen zu können? Wesentlicher Baustein für die Schaffung der geforderten organisatorischen Voraussetzungen ist die Etablierung eines dafür geeigneten Berichtswesens. Das Berichtswesen ist dabei an bestimmte Mindestanforderungen wie zum Beispiel Entscheidungsrelevanz, Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit der Informationen geknüpft:

Entscheidungsrelevant vor dem Hintergrund der Fragestellung ist das Berichtswesen dann, wenn die über das Berichtswesen zur Verfügung gestellten Informationen ausreichen, die wirtschaftliche Lage des Unternehmens einschätzen zu können. Dies bedingt neben der Festlegung eines geeigneten Kennzahlensystems bzw. neben der Festlegung von geeigneten Frühindikatoren die Implementierung einer integrierten Finanzplanung. Die Verknüpfung der Bereiche Liquidität, Cashflow, Bilanz und Erfolgsrechnung mit Hilfe integrierter Finanzpläne im Berichtswesen schafft eine zeitgemäße Basis für unternehmerische Entscheidungen, die die Möglichkeit bietet, Anzeichen einer wirtschaftlichen Krise des Unternehmens frühzeitig zu erkennen. Auch für die Erfüllung gesetzlicher Verpflichtungen wie der zuvor beschriebenen Insolvenzantragspflicht oder die juristisch saubere Widerlegung einer Insolvenzantragspflicht ist ein geeignetes Berichtswesen notwendig: Sowohl für die Aufstellung eines Finanzplans bei der Überprüfung der Zahlungsunfähigkeit nach § 17 InsO als auch aus der insolvenzrechtlichen Überschuldungsprüfung nach § 19 InsO ergibt sich für das Berichtswesen das Erfordernis, eine integrierte Erfolgs-, Vermögens- und Liquiditätsplanung aufzustellen.

›Ein Berichtswesen muss verlässlich sein. Verlässlichkeit zeigt sich unter anderem durch eine konsistente Verknüpfung über Schnittstellen zu anderen Verwaltungseinheiten wie zum Beispiel mit der Finanzbuchhaltung.

›Der Finanzbuchhaltung, die sich in einen Buchführungs- und Abschlussprozess unterteilen lässt, kommt im Hinblick auf die Lieferung valider Informationen und Daten für das Berichtswesen eine zentrale Bedeutung zu auch im Hinblick auf die Nachvollziehbarkeit der verwendeten Informationen. Insoweit sind an die Finanzbuchhaltung und die Ausgestaltung der Prozesse der Finanzbuchhaltung ebenso wie an das Berichtswesen bestimmte sachliche und fachliche Anforderungen zu stellen.

Praxis-Hinweis
Die Solidaris hilft Ihnen, die wirtschaftliche Situation Ihres Unternehmens angemessen zu würdigen, und
begleitet Sie bei der Ausgestaltung und Optimierung der Finanzbuchhaltung (des Buchführungs- und des
Abschlussprozesses) sowie bei der Einrichtung eines effizienten Berichtswesens zur zeitadäquaten
Identifikation einer Krisensituation bzw. Insolvenzgefährdung. Aber auch bei Eintritt einer unmittelbaren
Unternehmenskrise unterstützen Sie unsere Experten bei der Erstellung von Sanierungskonzepten (IDW S6) und als unabhängiger sachverständiger Dritter bei der Beurteilung des Vorliegens von Insolvenzeröffnungsgründen (IDW S 11)

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