Der Fixkostendegressionsabschlag in den Budgetverhandlungen 2017 – Ermittlung von Fixkostenanteilen

Mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) vom 10. Dezember 2015 hat der Gesetzgeber Maßnahmen zur Mengenbegrenzung  im  Bereich  der  allgemeinen  Krankenhausleistungen festgelegt und umgesetzt:
›Abrechnung ausgewählter medizinischer Leistungen zu einem reduzierten Preis bei einem Überschreiten einer maximalen Fallzahl
›Abschlag auf geplante Leistungsmengensteigerungen, die in einer Budgetverhandlung zusätzlich gegenüber dem Vorjahr vereinbart werden (Fixkostendegressionsabschlag – FDA)
›Abschlag auf Leistungen, die zusätzlich erbracht, aber vorher  nicht  in  einer  Budgetverhandlung  vereinbart  wurden (Mehrerlösausgleich) Der  FDA  soll  die  Vergütung  der  Fallpauschalen  um  den durchschnittlichen Anteil der fixen Kosten vermindern. Dahinter steht die Annahme, dass bei Mengensteigerungen nur variable Kosten anfallen und Fixkosten daher keiner  weiteren Finanzierung bedürfen.  Der  Abschlag  wird  mindestens drei Jahre lang erhoben und beträgt für die Budgetverhandlungen 2017 und 2018 zwischen 35 % und maximal  50  %.  Der  FDA  wird  nicht  auf  das  gesamte  zusätzlich vereinbarte Leistungsvolumen erhoben. Es gibt Ausnahmetatbestände, die abschlagsfrei bzw. nur mit der halben  Abschlagshöhe  belegt  sind  (vgl.  Solidaris Information  1/2017,  S.  20  f.).  Zur  Vorbereitung  der  Verhandlung eines FDA empfiehlt es sich neben der sorgfältigen Prüfung der Ausnahmetatbestände auch, die Fixkostenquote der Klinik individuell zu evaluieren.


Theoretischer Ansatz zur Ermittlung von Fixkostenanteilen bei geplanten Leistungsmengensteigerungen
Um Fixkostenanteile bei geplanten Leistungserhöhungen sachgerecht zu ermitteln, ist es notwendig, die Betriebskosten in variable und fixe Kosten einzuteilen. Eine eindeutige Definition hierzu liegt in der Literatur nicht vor. Vielmehr stellen große Kostenblöcke wie Personalkosten sogenannte intervallfixe Kosten dar, d. h. bei Überschreiten einer Kapazitätsgrenze wird mehr Personal eingestellt.

Gemäß der inhaltlichen Definition des FDA müssen die (Fall-)Kosten für die vereinbarte Leistungsmenge berechnet und gemäß der oben beschriebenen Einteilung zugeordnet werden. Die Sachkosten können anhand der Ergebnisse des InEK-Report-Browsers bestimmt und den variablen Kosten zugeordnet werden. Die variablen und fixen Infrastrukturkosten können (nach Abgrenzung nicht DRG-relevanter Leistungen) auf Klinikebene berechnet und anhand eines geeigneten Verteilungsschlüssels der geplanten Leistungsmenge zugeordnet werden. Zusätzlich ist zu klären, ob die Personalkosten der geplanten Leistungsmenge als variabel oder fix eingestuft werden. Sofern Personalerhöhungen aufgrund der geplanten Leistungsmengenerhöhung vorgesehen sind, wird wohl von variablen Kosten auszugehen sein. In anderen Worten: Wird die geplante Leistungsmenge mit zusätzlich dafür eingestelltem Personal erbracht, so können die Personalkosten als variabel interpretiert werden.


Statistischer Ansatz zur Ermittlung von Fixkostenanteilen bei geplanten Leistungsmengensteigerungen
Einen statistischen Lösungsansatz bezüglich der Einteilung variabler und fixer Kosten bietet das im Auftrag der Landeskrankenhausgesellschaften erstellte Gutachten „Bestimmung des Fixkostenanteils von zusätzlichen Leistungen in der stationären Versorgung“ von Prof. Augurzky und Prof. Wasem. Hier wurde anhand der InEK-Daten analysiert, wie sich Kostenartengruppen (Personal-, Sach- und Infrastrukturkosten) bei Fallzahlveränderungen verhalten. Bei den Gesamtkosten der Kliniken ergab sich statistisch ein Fixkostenanteil zwischen 27 % und 35 %. Im Ergebnis wurden Fixkostenanteile i. H. v. 31,2 % bei den Personalkosten, i. H. v. 2,5 % bei den Sachkosten und i. H. v. von 47,2 % bei den Infrastrukturkosten gemessen. Überträgt man diese Fixkostenanteile auf individuelle Klinikkosten, kann ein individualisierter Fixkostenanteil gemäß einer repräsentativen statistischen Erhebung hergeleitet werden. Dazu wurde am Beispiel dreier Kliniken aus unserem Solidaris-Benchmark die prozentuale Verteilung der Kostenartengruppen und deren Fixkostenanteile durch Multiplikation der Kostensätze bestimmt. Bei Klinik A beträgt der Fixkostenanteil 27,3 %, bei Klinik B 32,1 % und bei Klinik C 31,1 % (vgl. Abbildung).

Praxis-Hinweis
Die Kalkulation der Höhe von Fixkostenanteilen für geplante Leistungen ist eine komplexe Aufgabe. Eine
eindeutige und allgemeingültige Einordnung der Kosten in variable und fixe Kosten liegt in der Literatur
nicht vor. Entscheidend für die Höhe des FDA sind die Personalkosten bzw. deren Zuordnung zu variablen
oder fixen Kosten. Anhand der Übertragung eines statistischen Ergebnisses des Gutachtens „Bestimmung des Fixkostenanteils von zusätzlichen Leistungen in der stationären Versorgung“ kann ebenfalls ein Fixkostenanteil hergeleitet werden.

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Solidaris Unternehmensberatungs-GmbH
Schwerpunkte
  • InEK-Kalkulation und Kostenträgerrechnung
  • Datenanalyse
  • Berichtswesen für Psychiatrie und Psychosomatik
  • Datenerhebungen und -auswertungen zu Fragestellungen im Gesundheitswesen
Veröffentlichungen in der Fachpresse
2018
  • Transparenz schaffen und Performance steigern: Health&Care Management, 11/2018, S. 58-59.