Wirtschaftsplanungen als ein Werkzeug zur finanziellen Absicherung von Ordensgemeinschaften

Seit geraumer Zeit befinden sich viele Ordensgemeinschaften unverändert in einem Strukturwandel, der unter anderem von der sinkenden Anzahl der Ordensmitglieder und der demographischen Entwicklung innerhalb der Ordensgemeinschaften geprägt wird. Vor dem Hintergrund, dass altersbedingt immer weniger Werke unter der aktiven Mitwirkung der Ordensmitglieder betrieben werden können, stellt sich im Hinblick auf die Erfüllung des Missionsauftrages die strategische Frage, ob und in welcher Form unterhaltene Werke zukünftig fortgeführt werden sollen bzw. können. Eng hiermit verbunden steht auch die Grundsatzfrage der finanziellen Absicherung des Lebensunterhalts und der Altersversorgung der Ordensmitglieder (= Ordensgemeinschaft im engeren Sinne). Wichtige Hilfestellung zur Beantwortung dieser Fragen geben unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten erstellte Planungsrechnungen.

Für Ordensgemeinschaften könnten sich aus der Verlautbarung des Apostolischen Stuhls Nr. 198 „Richtlinien für die Verwaltung der kirchlichen Güter der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften apostolischen Lebens“ vom 2. August 2014, welche im ersten Abschnitt einige Aspekte und Vorgehensweisen zur Förderung einer ordnungsgemäßen und gesunden Vermögensverwaltung darstellt, besondere Anforderungen an die Erstellung von Wirtschaftsplanungen ergeben. In den Richtlinien wird es für notwendig erachtet, dass betriebswirtschaftliche Planungs-, Überwachungs- und Steuerungsinstrumente (z. B. Budgetierung, mehrjährige Haushalts- und Finanzmittelplanungen, Abweichungsanalysen, angemessene Überwachungssysteme für defizitäre Werke) angewendet werden, die eine wesentliche Grundlage für Entscheidungen der Ordensgemeinschaft darstellen. Für defizitäre Werke sollte demnach kritisch hinterfragt werden, ob deren dauerhafte Alimentierung vermieden werden kann bzw. im Hinblick auf den Missionsauftrag zweckmäßig erscheint, oder ob die hierfür benötigten Mittel nicht zweckmäßiger für andere Werke genutzt werden sollten.

 
Zur Beurteilung der finanziellen Lage der Ordensgemeinschaft und als Basis für die weiteren Planungsschritte sollte zunächst ein Vermögens- bzw. Finanzstatus erstellt werden, der auch aus der letzten vorliegenden Bilanz abgeleitet werden kann. Hierbei sind alle vorhandenen Vermögensgegenstände und Schulden zu erfassen sowie entsprechend ihren Fristigkeiten darzustellen. Auch kann es sich empfehlen, innerhalb des langfristigen Vermögens eine Trennung des für Zwecke der Ordensgemeinschaft und ihrer Werke notwendigen vom nicht notwendigen Vermögen vorzunehmen. Das notwendige Vermögen umfasst hier auch das gewidmete Stammvermögen (patrimonium stabile) der Ordensgemeinschaft. Die Altersversorgungsverpflichtungen der Ordensgemeinschaft gegenüber ihren Ordensmitgliedern sind unter versicherungsmathematischen Grundsätzen zu bewerten. Hierbei sollte die Festlegung der Bewertungsparameter (ggf. abweichend von der bilanziellen Bewertung) vorsichtig erfolgen. Als Ergebnis leitet sich aus dem Finanzstatus bezogen auf den Stichtag eine Liquiditätsüberdeckung bzw. -unterdeckung ab. Auf Grundlage des Finanzstatus und einer Analyse der aktuellen Finanz- und Ertragslage der Ordensgemeinschaft und ihrer Werke lassen sich erste Rückschlüsse darüber ziehen, ob im Status quo ein laufender Liquiditätsüberschuss erwirtschaftet wird oder ob ein laufender Liquiditätsbedarf besteht. Auf Basis der hieraus gewonnenen Erkenntnisse können erste Maßnahmen zu Verbesserung der Finanz- und Ertragslage identifiziert werden.


Im Rahmen der Planung erfolgt zunächst eine Erfolgsplanung der erwarteten Erträge und Aufwendungen für den Planungszeitraum, der bei Mehrjahresplanungen regelmäßig einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren umfasst. Der Planungszeitraum kann insbesondere im Hinblick auf die Frage der finanziellen Sicherstellung der Altersversor-gung der Ordensmitglieder, aber auch langfristiger (z. B. angelehnt an anhand von versicherungsmathematischen Grundlagen geschätzten Restlaufzeiten) festgelegt werden. Analog zum Grundgedanken der Verlautbarung Nr. 198 sollten die Erfolgsplanungen zunächst getrennt für die Ordensgemeinschaft im engeren Sinne und ihre Werke erfolgen, damit eine isolierte Betrachtung der Wirtschaftlichkeit und eine frühzeitige Identifizierung von Fehlentwicklungen und von Defiziten einzelner Werke ermöglicht wird. Diese Erfolgsplanungen können als Grundlage für die Durchführung umsichtiger Entscheidungen dienen, die unter andrem folgende Maßnahmen zum Gegenstand haben können:

  • Fortführung, Restrukturierung oder Aufgabe von Werken,
  • Verbesserung der Erträge für erbrachte Leistungen durch Optimierung der Auslastung vorhandener Kapazitäten und/oder Verhandlung von höheren Leistungsentgelten,
  • Reduzierung von Personal-, Sach- und Verwaltungskosten,
  • Optimierung von betrieblichen Prozessen einzelner Werke,
  • Umsetzung notwendiger Investitionen (z. B. in den Neubau von Einrichtungen) einschließlich deren Finanzierung,
  • Veräußerung von nicht notwendigem Vermögen (z. B. Immobilien, Wertpapieren),
  • Festlegung des regelmäßigen Alimentierungsbedarfs defizitärer Werke, die im Hinblick auf den Missionsauftrag der Ordensgemeinschaft fortgeführt werden sollen.


Die wirtschaftlichen Auswirkungen der geplanten Maßnahmen sind in den einzelnen Erfolgsplanungen zu berücksichtigen. Abschließend sind die einzelnen Erfolgsplanungen zu einer Gesamterfolgsplanung der rechtlichen Einheit der Ordensgemeinschaft (einschließlich ihrer Werke) zusammenzuführen.
Die Finanzplanung hat die Fortschreibung der finanziellen Mittel über den Planungszeitraum zum Gegenstand. Ausgangspunkt sind dabei die im Finanzstatus zum Beginn des Planungszeitraums ermittelten liquiden Finanzmittel. Diese werden um die im Erfolgsplan enthaltenen zahlungswirksamen Aufwendungen und Erträge aus der laufenden Tätigkeit der Ordensgemeinschaft und ihrer Werke fortgeschrieben. Des Weiteren werden nicht im Erfolgsplan enthaltene Auszahlungen für geplante Investitionen sowie erwartete Zuschüsse zur deren Finanzierung berücksichtigt. Ebenso sind im Finanzplan die Einzahlungen aus der geplanten Aufnahme von Darlehen und die Auszahlungen für die vereinbarten Tilgungsleistungen aufzunehmen. Im Ergebnis verdeutlicht die Finanzplanung die Entwicklung der finanziellen Mittel im Planungszeitraum und gibt Aufschlüsse über das finanzielle Gleichgewicht oder Ungleichgewicht der Ordensgemeinschaft und ihrer Werke.


Als drittes Element einer integrierten Planungsrechnung folgt integral mit der Erfolgs- und Finanzplanung die Fortschreibung des Vermögensstatus in Form von Planbilanzen. Hierbei werden unter Berücksichtigung der geplanten Maßnahmen die Ansätze in den Planbilanzen zum Ende der einzelnen Planungsperioden mit dem Ziel der Darstellung der geplanten Entwicklung des Bilanzbildes fortgeführt.
 
Die Wirksamkeit eines betriebswirtschaftlichen Planungswesens kann sich erst voll entfalten, wenn es sich hierbei nicht nur um einen einmaligen Vorgang, sondern um einen kontinuierlichen und strukturierten Prozess handelt (vgl. auch die Verlautbarung Nr. 198 des Apostolischen Stuhls). Es ist eine angemessene Überwachung der Umsetzung und der Ergebnisse der erstellten Planungen erforderlich. Essentiell sind hierbei die Ermittlung und Gegenüberstellung der tatsächlichen Entwicklung der Ordensgemeinschaft und ihrer Werke mit der vorliegenden Planung sowie eine Analyse der Gründe von Abweichungen der tatsächlichen von der geplanten Entwicklung. Ergibt sich hierbei, dass ursprüngliche Planungsannahmen zu optimistisch waren oder dass umgesetzte Maßnahmen nicht die positiven Wirkungen entfaltet haben, die man von diesen bei der Planung erwartet hatte, kann sich die Notwendigkeit ergeben, die Planungen prospektiv anzupassen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen. Diese Interaktion ist ein wesentlicher Bestandteil des Planungswesens und kann in dieser Form wirksam als ein Werkzeug zur finanziellen Absicherung und zur Darstellung der Zukunftsfähigkeit von Ordensgemeinschaften und ihren Werkenh genutzt werden.


Praxis-Hinweis

Unsere Experten unterstützen Sie bei der Erstellung von (integrierten) Vermögens-, Finanz- und Ertragsplanungen sowie bei der Identifizierung von Maßnahmen zur Sicherstellung des Missionsauftrages der Ordensgemeinschaft. Bei Bedarf übernimmt die Solidaris gutachterliche Tätigkeiten in Zusammenhang mit der Plausibilisierung Ihrer Planungsrechnung. Sprechen Sie uns an!

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