Unternehmenssteuerung mit geeigneten Kennzahlen

Ein an der jeweiligen Unternehmenssituation und -größe ausgerichtetes Berichtwesen zur Steuerung und Überwachung eines Unternehmens kann einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten. Für eine effiziente Berichterstattung hat sich der Einsatz von Kennzahlen bzw. Schlüsselkennzahlen bewährt. So kann und sollte mit wenigen Schlüsselkennzahlen die Unternehmenssituation effektiv und effizient dargestellt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Schlüsselkennzahlen nicht nur die Unternehmenssituation zutreffend und prägnant wiedergeben, sondern auch in sich konsistent sind und für den Berichtsadressaten verständlich und transparent definiert werden.

In der Solidaris-Information 1/2018 haben wir die Bedeutung der Kennzahlen EBITDA und EBITDA-Marge für die Praxis betrachtet, wobei deutlich wurde, dass sowohl ein unreflektierter Branchenvergleich als auch eine unreflektierte Übernahme der allgemein verwendeten Definitionen ohne Berücksichtigung von unternehmensindividuellen Gegebenheiten nicht zielführend ist. Vielmehr kommt es darauf an, sowohl die Kennzahl als auch die Zielgröße unternehmensindividuell zu definieren und in ein unternehmensindividuelles Kennzahlensystem einzubinden.

Da mit dem EBITDA bzw. der EBITDA-Marge ein Vergleich der Ertragskraft von Unternehmen unabhängig von ihrer Investitions-, Kapital-, Finanzierungs- und Steuersituation ermöglicht werden soll, lohnt ein Blick auf die jeweiligen (Investitions-) Finanzierungsüberlegungen des Unternehmens. Letztlich geht es bei der Beurteilung der Kennzahlen immer um die Beantwortung der Frage, welches Ergebnis bzw. welche EBITDA-Größe ein Unternehmen nachhaltig benötigt, um seine Investitions- und Kapitaldienstfähigkeit und damit seine Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit aufrechterhalten zu können. So kann es sich für Unternehmen, die anstatt eigener Investitionen intensiv Miete und Leasing als Finanzierungsmodell einsetzen, anbieten, den diesbezüglichen Aufwand mit in die EBITDA-Berechnung einzubeziehen.

Um eine Vergleichbarkeit von Unternehmen zu  erreichen, bietet sich also die Ableitung eines Free-EBITDAs bzw. einer Free-EBITDA-Marge – also des nach Abzug von Investitionen und Kapitaldienst verbleibenden Betrags – an, um so eine Vergleichbarkeit der Renditesituation unterschiedlich finanzierter Unternehmen zu erhalten. Eine auf den ersten Blick sehr gute EBITDA-Kennzahl kann sich so auf den zweiten Blick deutlich schlechter darstellen, falls der ausgewiesene Betrag in starkem Maße von Kapitaldiensten und notwendigen Investitionsausgaben beeinflusst wird.

Der Einsatz von (unternehmensindividuellen) EBITDA-Kennzahlen gehört heute regelmäßig in die Kennzahlenübersicht eines Unternehmens. Wichtig ist, sich bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage nicht nur auf eine Kennzahl zufokussieren, sondern eine ausgewogene Auswahl von Kennzahlen vorzunehmen, die für die Steuerung und Überwachung des Unternehmens relevant, also eng mit denUnternehmenszielen verbunden sind. Hierzu sollten nebenfinanz- und ertragswirtschaftlichen Kennzahlen auch leistungswirtschaftliche Kennzahlen eingesetzt werden, die zudem um Qualitätsdaten ergänzt werden können. Auch hier kommt es darauf an, einen Zielwert, eine Vergleichs- oder Bezugsgröße und einen Vergleichszeitraum zu definieren, um so über Vergleiche des Zielwerts mit der ermittelten Kennzahl (Soll-Ist-Vergleich) die mit der Kennzahl verknüpfte Zielerreichung messen, bewerten und dokumentieren zu können.

Bei der Auswahl der Kennzahlen sollte folgende Frage im Vordergrund stehen: Welche Daten sind für die Zielerreichung, die Situation und die Entwicklung des Unternehmens von Bedeutung, und welche Daten müssen als Schlüsselkennzahl bzw. als Key Performance Indikator (KPI) dargestellt werden? KPIs sind Kennzahlen, die die wesentlichenErfolgsfaktoren darstellen, die das Zielsystem bzw. den Erfolg eines Unternehmens unmittelbar beeinflussen. Sie bilden die Gründe für die positive oder negative Entwicklung eines Unternehmens ab. KPIs können organisationsbezogen Messgrößen für die Stärken und Schwächen der Organisation sowie umfeldbezogen Messgrößen für die Chancen und Risiken der Organisation darstellen. Im Zusammenspiel der Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken werden die strategischen Grundlagen für die Schaffung von Erfolgen in der Zukunft gelegt. Diese Möglichkeiten zur Schaffung zukünftiger Erfolge (Erfolgspotentiale) versuchen die KPIs messbar zu machen. Die Auswahl und Festlegung von KPIs und die damit angestrebte Messung von Erfolgspotentialen ist allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, da diese den finanziellen Erfolgen vorgelagert und meist weniger finanziell, sondern vielmehr nichtfinanziell ausgeprägt sind.

Sind die für das Unternehmen relevanten KPIs ermittelt und festgelegt, gilt es die zur Ableitung der KPIs erforderliche Datengrundlage zu ermitteln und sicherzustellen, dass die erforderlichen Daten konsistent und zeitgerecht vom Rechnungswesen zur Verfügung gestellt werden können.

Praxis-Hinweis
Über ein aktuelles zielgerichtetes Berichtswesen zu verfügen, hat eine enorme Bedeutung für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens. Ein Kennzahlensystem, das die unternehmensindividuelle Zielkonzeption, die Finanzierungs- und die Wettbewerbsstrukturen abbildet, kann als effizientes Steuerungs-, Führungs- und Überwachungsinstrument sehr hilfreich sein. Unsere Experten unterstützen Sie bei der Definition und Implementierung von zielgerichteten Kennzahlensystemen. Des Weiteren bieten wir Ihnen an, das vorhandene Berichtswesen im Hinblick auf seine Ausgestaltung und Qualität zu begutachten, um vorhandene Optimierungspotentiale zu ermitteln. Sprechen Sie uns an!

Kontakt
Ihre Ansprechpartner an unseren Standorten:
Köln
WPin StBin
Claudia Schürmann-Schütte
+49 (0)2203 8997-502
 
Leitung Geschäftsbereich Unternehmensberatung
Solidaris Revisions-GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Schürmann-Schütte
Claudia Schürmann-Schütte
  • Ausbildung zur Bankkauffrau (1987) und anschließende Tätigkeit als Bankkauffrau
  • Studium der Wirtschaftswissenschaften (Diplom 1993) an der Universität Duisburg-Essen 
  • Berufsexamen zur Steuerberaterin (1997) und Wirtschaftsprüferin (1999)
  • Mehrjährige Tätigkeit bei einer Big4-Gesellschaft im Bereich der Wirtschaftsprüfung und der Beratung und zuletzt Führungsverantwortung bei einer mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Schwerpunkt auf der Beratung von Transaktionen und Bewertungen im Gesundheits- und Sozialwesen 
  • Seit 1. Januar 2019 bei der Solidaris tätig als Leiterin des Geschäftsbereiches Unternehmensberatung
Schwerpunkte
  • Beratung finanzieller, organisatorischer und strategischer Fragestellungen von ambulanten und stationären Einrichtungen und Trägern des Gesundheits- und Sozialwesens
  • Umfassende käufer- und verkäuferseitige Begleitung von Transaktionen (u.a. strukturierte Bieterverfahren, Due Diligence, Prozessbegleitung und Verhandlungsunterstützung, Kaufpreisermittlung)
  • Begleitung von Kooperations- und Zusammenschlussprozessen (u.a. Prozessbegleitung, Verhandlungs- und Gesprächsunterstützung, Due Diligence, Ermittlung von Anteilsverhältnissen)
  • Unternehmensbewertungen u.a. nach IDW S1 
  • Erstellung und Plausibisierung von Businessplänen
  • externe und interne Referententätigkeit 
  • Fachartikel zur Beratung von Transaktionen, Zusammenschlüssen und Bewertungen von Unternehmen des Gesundheits- und Sozialwesens
Veröffentlichungen in der Fachpresse 2019
  • Verbünde stehen besser da: Wohlfahrt intern, 7.8/2019, S. 22-23.