Transformation der Krankenhausversorgung durch Hebung der Ambulantisierungspotenziale

Im Dezember 2025 veröffentlichte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) eine Studie mit dem Titel „Ambulantisierungspotenziale der Leistungsgruppen im Krankenhaus – Empirische Analysen auf Basis von Abrechnungsdaten“:

https://www.wido.de/fileadmin/Dateien/Dokumente/Forschung_Projekte/Krankenhaus/wido_krh_Ambulantisierungspotenziale_Krankenhaus_02_12_2025.pdf

In diesem Papier werden Abrechnungsdaten aller deutschen Krankenhausfälle nach verschiedenen Kriterien darauf untersucht, welcher Anteil nach Leistungsgruppen möglicherweise ambulant erbracht werden kann – und aus Sicht der Autoren sollte. 

Auch wenn die Schlussfolgerungen der Autoren umstritten sein dürften, so liefert die WIdO-Studie wegweisende Fakten für die Zukunft der Krankenhausversorgung. Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland in der stationären Versorgung eine Sonderrolle ein: Nirgendwo in der EU werden so viele Krankenhausfälle stationär behandelt – mit entsprechend hoher Bettenzahl (2022: 76 auf 10.000 Einwohner), hohen Kosten und einer enormen Belastung des Personals. Im Vergleich zu Deutschland hat Schweden beispielsweise lediglich 19 Betten bezogen auf 10.000 Einwohner (demzufolge 75 % weniger Betten je 10.000 Einwohner). Welche Leistungen tatsächlich noch stationär erbracht werden müssen und was ambulant erfolgen kann, ist auch eine Frage, die mit den kommenden Ausweitungen des Hybrid-DRG-Kataloges großen Impact auf die Krankenversorgung entwickeln wird.
 

Die WIdO-Studie lotet hier die Größenordnungen des Potentials aus und kommt zu folgenden Erkenntnissen:

  • Fast 60 % der stationären Fälle in der Grundversorgung könnten laut Analyse zukünftig ambulant erbracht werden – das betrifft etwa 45 % der Ausgaben und Belegungstage.
  • Auch bei spezialisierten Leistungsgruppen liegt das Ambulantisierungspotenzial noch bei 30 bis 40 % der Fälle, ca. 25 % der Ausgaben und Belegungstage.

Ambulantisierung ist in der Analyse mehr als „ambulantes Operieren“: Neben Hybrid-DRGs und AOP-Katalog wurden Präventionspotenziale (ambulante und pflegesensitive Krankenhausfälle) und eine Reform der Notfallversorgung, die zu vermehrter aufsuchender Hilfe statt stationärer Aufnahme führen könnte, systematisch analysiert und berücksichtigt.

Die in der Analyse als möglich erscheinende radikale Neuordnung der stationären und ambulanten Versorgung ist bei der aktuellen Rollenverteilung in Deutschland – mit Erbringung ambulanter Leistungen im Wesentlichen durch niedergelassene Ärzte und stationärer Leistungen durch Krankenhäuser – allenfalls ein Traum. Die Beharrungskräfte zugunsten des Status Quo sind erheblich. Aber der Beitrag gibt wichtige Denkanstöße zur Vermeidung von Krankenhausaufenthalten durch bessere Prävention oder einer optimierten Organisation von Notfallstrukturen.

Was heißt das für Krankenhäuser und Entscheidungsträger? Die Studie macht klar: Ambulantisierung wird zum zentralen strategischen Gestaltungsfeld der nächsten Jahre. Sie liefert eine differenzierte, empirisch fundierte Basis, um die eigene Leistungsstruktur, Prozesse und Investitionsentscheidungen neu zu denken. Die Herausforderungen sind groß – von der Anpassung der Prozesse bis zur Transformation von Personal- und IT-Strukturen. Die Chancen sind jedoch mindestens ebenso groß: Wer jetzt proaktiv gestaltet, kann Versorgungsqualität sichern, neue Geschäftsmodelle entwickeln und die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken. 
 

Unser Fazit: 

Die WIdO-Studie ist Pflichtlektüre für alle, die die Zukunft der stationären und ambulanten Versorgung mitgestalten wollen. Sie zeigt nicht nur das enorme Potenzial, sondern auch die Notwendigkeit, Ambulantisierung als festen Bestandteil der strategischen Krankenhausentwicklung zu verankern. 

Sie möchten wissen, welches konkrete Potenzial in Ihrem Haus steckt – und wie Sie Chancen und Risiken der Ambulantisierung systematisch bewerten und umsetzen können? Sprechen Sie uns an! Die Solidaris Unternehmensberatung begleitet Krankenhäuser ganzheitlich bei der Strategie- und Prozessgestaltung rund um die Ambulantisierung.

 

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