Spezielle BilRUG-Ausweisfragen bei WfbM

Die sich durch das Bilanzrichtslinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) ergebende Neudefinition der Umsatzerlöse zieht insbesondere für Non-Profit-Organisationen und somit auch  für  Werkstätten  für  behinderte  Menschen  (WfbM)  bei der Erstellung des Jahresabschlusses spezielle Ausweisfragen nach sich.

Durch das BilRUG wurde der § 277 Abs. 1 HGB neu gefasst. Demnach sind Umsatzerlöse „Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen nach Abzug von Erlös­schmälerungen, der Umsatzsteuer sowie sonstigen direkt
mit dem Umsatz verbundenen Steuern“. Damit entfällt  die  Begrenzung der Umsatzerlöse auf Erlöse aus der Verwertung  von  Erzeugnissen  und  Waren  sowie  der  Erbringung  von  Dienstleistungen,  die  jeweils  für  die  gewöhnliche  Geschäftstätigkeit des betreffenden Unternehmens typisch sind. Daraus folgt, dass sämtliche Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung oder Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen Umsatzerlöse darstellen.

Im  Gegensatz  zu  Krankenhäusern  und  Pflegeeinrichtungen, für die sich aus der Krankenhaus-Buchführungsverordnung bzw. der Pflege-Buchführungsverordnung eigenständige Gliederungsvorschriften für den Jahresabschluss ergeben, besteht für WfbM gemäß § 12 Abs. 1 WVO lediglich die Verpflichtung, nach   kaufmännischen Grundsätzen Bücher zu führen und einen Jahresabschluss zu erstellen. Zur Erfüllung dieser Pflicht ist es jedoch empfehlenswert,  die  Gliederungsvorschriften der §§ 266 und 275 HGB anzuwenden, zumal  eine  Überführung  in  einen handelsrechtlichen Jahresabschluss bedingt durch die  Rechtsform und Größe  des Trägers oftmals ohnehin notwendig ist.

Im Zuge der Umsetzung des BilRUG ist bei Anwendung der handelsrechtlichen Vorschriften die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnug zu überprüfen. Dabei sind wesentliche branchenspezifische
Ertragsposten aus unserer Sicht wie folgt zu behandeln:

  • Die  Erstattungen  für  Sozialversicherungsbeiträge  der behinderten Beschäftigten und die Erstattungen des Arbeitsförderungsgeldes  (AFöG)  sind  keine  Umsatzerlöse im Sinne des § 277   Abs.   1 HGB   n.  F.  Bei   der   Neudefinition der Umsatzerlöse kommt es künftig für die Abgrenzung vor allem darauf an, inwiefern die Umsatzerlöse in einem Zusammenhang mit einem „Produkt“ oder einer „Dienstleistung“ des Unternehmens stehen. Die Erbringung einer Dienstleistung setzt das Vorliegen eines Leistungsaustauschs voraus. Bei den vorliegenden Erlösen handelt es sich um Zahlungen der zuständigen Leistungsträger, die laut   Gesetz    dazu   verpflichtet sind,   den   Einrichtungen die entstandenen Aufwendungen zu erstatten. Ein Leistungsaustausch  liegt  in  diesen  Fällen  nicht  vor.  Der  Ausweis erfolgt damit unter den sonstigen betrieblichen Erträgen.
  • Bei den Fahrtkostenerstattungen für die Beförderung der Menschen  mit  Behinderung  handelt  es  sich  um  ein  zusätzliches Entgelt. Die WfbM organisiert damit den Fahrdienst. Hier liegt ein Leistungsaustausch vor, sodass der Ausweis der Erträge als Umsatzerlöse erfolgen muss.

Aus  der  Änderung der  Umsatzerlösdefinition können sich  auch Veränderungen außerhalb der Posten Umsatzerlöse und sonstige betriebliche Erträge ergeben. Die Ausweitung der unter den Umsatzerlösen auszuweisenden Erträge kann es erforderlich machen, sonstige betriebliche Aufwendungen  in  den  Posten  Materialaufwand  umzugliedern.  Dem zufolge  beinhaltet  der  Materialaufwand  bei  einer  WfbM  insbesondere die Kontenklassen Materialeinsatz, Lebensmittel, Wirtschaftsbedarf, Betreuungsaufwand (einschließlich Fahrtkosten) und Energieaufwand. Der Posten Personalaufwendungen  enthält  sowohl die Aufwendungen für die Mitarbeiter als auch für die behinderten Beschäftigten einschließlich der Sozial-abgaben und AFöG.

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Leiter Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit, Prokurist
Solidaris Unternehmensgruppe
Panayotov

Ivan Panayotov

  • Studium der Medienwissenschaft, Deutsche und Englische Philologie an der Universität zu Köln (Magister 2010)
  • Ausbildung zum qualitativen Markt- und Medienforscher bei der Rheingold Akademie in Köln
    (Abschluss 2006)

Schwerpunkte

  • Strategisches und operatives Marketing
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Unternehmenskommunikation 
  • Mediamanagement (On-/Offline) und Redaktion
  • Eventmanagement und Sponsoring