Rechnungslegung von Stiftungen

Alle Landesstiftungsgesetze bestimmen, dass Stiftungen nach Ablauf des Geschäftsjahres einen Rechenschaftsbericht, bestehend aus einer Jahresrechnung und einer Vermögensübersicht, sowie einen Bericht über die Erfüllung des Stiftungszwecks aufzustellen haben. Hilfestellung, wie den Besonderheiten der Rechnungslegung von Stiftungen Rechnung getragen werden kann, bietet die Stellungnahme des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) zur Rechnungslegung von Stiftungen, die nunmehr nach über 13 Jahren eine Überarbeitung erfahren hat und aktuell in einer Entwurfsfassung vorliegt (IDW ERS HFA 5 n. F.).

Diese Überarbeitung wurde vorbereitet durch den Arbeitskreis „Rechnungslegung und Prüfung von Non-Profit-Unternehmen“, in dem auch die Solidaris vertreten ist. Sie wurde aufgrund umfangreicher Änderungen der Landesstiftungsgesetze und des HGB durch das BilMoG erforderlich.

In der Regel kommen die Stiftungen der Rechnungslegungsverpflichtung durch einen nach kaufmännischen Grundsätzen aufgestellten Jahresabschluss nach. Bedeutsam in der Praxis ist dabei die Darstellung der Kapitalerhaltung; denn fast alle Stiftungsgesetze schreiben zur dauerhaften Verwirklichung des Stiftungszwecks grundsätzlich die Erhaltung des Bestands des Stiftungsvermögens vor. Viele Stiftungen stehen dabei aktuell aufgrund niedriger Zinserträge in dem Dilemma, auf der einen Seite den Stiftungszweck erfüllen und gemeinnützigkeitsrechtlich die Mittel verwenden zu wollen und andererseits der Kapitalerhaltung nachkommen zu müssen. Auch das IDW hat für dieses Dilemma kein Patentrezept, gibt aber hilfreiche Hinweise. So sollte die Stiftung bestrebt sein, das Stiftungskapital real zu erhalten, da ansonsten die Ertragskraft abnimmt. Gerade in den Zeiten niedriger Zinsen ist es wichtig, ein auf mehrere Jahre angelegtes Kapitalerhaltungskonzept zu haben, welches erkennen lässt, dass das Stiftungskapital trotz vielleicht vorübergehender Minderung mittelfristig erhalten bleibt.

Für kleinere Stiftungen kann zur Erfüllung der Rechnungslegungsverpflichtung auch eine Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung mit Vermögensübersicht in Frage kommen. Das IDW empfiehlt hier neben der Kapitalflussrechnung in Anlehnung an DRS 2, welche bisher in der Praxis wenig Anwendung fand, nunmehr auch eine Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung i. S. d. § 63 Abs. 3 AO. Der Praxis entgegenkommen dürfte primär der Hinweis, dass auch eine Einnahmen-überschussrechnung in Anlehnung an § 4 Abs. 3 EStG in Betracht kommt. Auch die Empfehlungen zur Vermögensübersicht dürften aufgrund der geringeren Gliederungstiefe praxistauglicher sein als die bisherige Fassung.

Praxis-Hinweis: Gerade in Zeiten niedriger Zinsen sollte der Stiftungsvorstand darauf bedacht sein, ein für die Belange der Stiftung zu präzisierendes Konzept der Kapitalerhaltung zu erstellen. Gerne stellen wir Ihnen die neue Entwurfsfassung zur Rechnungslegung von Stiftungen zur Verfügung. Über die weitere Entwicklung bzw. die endgültige Verabschiedung des Entwurfs werden wir Sie zeitnah informieren.

 

Kontakt
Ihre Ansprechpartner an unseren Standorten:
Freiburg / Breisgau
WP StB
Ralph Wedekind
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Geschäftsführer
Solidaris Revisions-GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft

Solidaris Treuhand-GmbH
Steuerberatungsgesellschaft
Wedekind
Ralph Wedekind
  • Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen
  • Berufsexamen zum Steuerberater 1994 und zum Wirtschaftsprüfer 1998
  • Seit 2001 bei der Solidaris in Freiburg und seit 2002 in der Geschäftsführung tätig
Mitgliedschaften
  • Mitglied der Prüfungskommission für die Prüfung von Wirtschaftsprüfern in Baden-Württemberg (seit 2000)
  • Arbeitskreis "Rechnungslegung und Prüfung von Non-Profit-Unternehmen" des Instituts für Wirtschaftsprüfer e.V.
Schwerpunkte
  • Beratung und Begleitung von gemeinnützigen Organisationen insbesondere bei Umstrukturierungen, Kooperationen und Transaktionen
  • Prüfungsnahe Beratung von gemeinnützigen Organisationen insbesondere bei Fragestellungen der Corporate Governance
Veröffentlichungen in der Fachpresse
2019
  • Pensionskasse kürzt ihre Leistungen: neue caritas, 6/2019, S. 20-22.