Krankenhaustransformationsfonds – Jetzt die richtigen Veränderungen auf den Weg bringen

Mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) vom 5. Dezember 2024 und dem damit verbundenen Krankenhaustransformationsfonds (KHTF) stellt der Bund von 2026 bis 2035 bis zu 50 Milliarden Euro bereit, um Krankenhäuser bei der strukturellen und digitalen Transformation zu unterstützen. Ziel ist es, die stationäre Versorgung gezielt zu modernisieren, medizinische Leistungen stärker zu bündeln, die Qualität der Versorgung nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Einrichtungen zu sichern. Damit sollen die Weichen für eine zukunftsfähige, digital vernetzte und bedarfsgerechte Krankenhausstruktur gestellt werden, die den zahlreichen Herausforderungen des Gesundheitswesens gerecht wird.


Fördermittel als strategische Chance

Der Krankenhaustransformationsfonds ist mehr als eine finanzielle Unterstützung angesichts der unzureichenden Investitionsfinanzierung der Länder. Die Mittel sind entsprechend § 3 KHTF an klare Fördertatbestände gebunden, um gezielt eine Strukturreform der Krankenhauslandschaft zu induzieren. Gefördert werden die Bildung von Verbünden, die standortübergreifende Konzentration der Leistungen, sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen, Maßnahmen im Bereich der Digitalisierung und Standortschließungen. Auch Baumaßnahmen zur Erweiterung und Restrukturierung von Standorten, personalwirtschaftliche Maßnahmen und der Rückbau können förderfähig sein. Ferner sind die Telemedizin und die Robotik Teil eines speziellen Fördertatbestandes für Netzwerk-Strukturen von Krankenhäusern.

Vor dem Hintergrund mutmaßlich auch mittelfristig nicht auskömmlicher Investitionsfinanzierung ist der KHTF eine entscheidende Chance, Strukturveränderungen innerhalb bestehender regionaler Verbünde zu gestalten und Leistungen wirtschaftlich nachhaltig zu zentralisieren. Für Krankenhäuser bedeutet das: Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann nicht nur Fördermittel sichern, sondern auch die eigene Zukunft im Gesundheitswesen aktiv gestalten und seine Wettbewerbssituation am Markt stärken. Voraussetzung dafür ist jedoch eine klare strategische Positionierung im Rahmen der durch das KHVVG eingeführten Leistungsgruppenlogik, die künftig die Grundlage der Krankenhausplanung und -finanzierung bildet und das bisherige System der Fachabteilungen als zentrale Planungsgröße ablöst.
 

Leistungsgruppen als Grundlage der strategischen Ausrichtung 

Die im Rahmen des KHVVG angestoßene Reform sieht vor, dass die Planung und Finanzierung von Krankenhäusern künftig über bundeseinheitlich definierte Leistungsgruppen erfolgt. Insgesamt wurden 65 Leistungsgruppen eingeführt, die jeweils mit verbindlichen Qualitätsanforderungen verknüpft sind – etwa hinsichtlich der personellen Ausstattung oder der technischen Infrastruktur. Die Zuweisung dieser Leistungsgruppen erfolgt durch die Landesbehörden bis Ende 2026 im Rahmen der regionalen Krankenhausplanung. Krankenhäuser haben dabei keinen Anspruch auf bestimmte Leistungsgruppen, sondern sie müssen sich einem Auswahlprozess stellen. Die Regularien der Auswahl, insbesondere die Definition von Planungsregionen je Leistungsgruppe und damit auch die Beschränkung des Spielraums für Leistungsverlagerungen obliegt der Planungshoheit des jeweiligen Bundeslandes. Das bedeutet: Die zukünftige Rolle eines Hauses in der stationären Versorgung hängt maßgeblich von externen Entscheidungen ab – und ist damit mit strategischer Unsicherheit verbunden.

Umso wichtiger ist es, dass Krankenhäuser frühzeitig analysieren, welche Leistungsgruppen sie realistisch anbieten können und wie diese in die regionale Versorgungsstruktur passen. Eine fundierte Leistungsgruppen-Analyse bildet die Grundlage für diese strategische Ausrichtung. Dabei sollten sowohl die medizinischen Kompetenzen als auch die Erfüllbarkeit der Qualitätskriterien kritisch geprüft werden. Deshalb ist es entscheidend, dass Krankenhäuser sich proaktiv Gedanken über ihre strategische Ausrichtung und potentielle Partner machen. Nur wer sein Stärken und Entwicklungspotenziale realistisch einschätzt und die eigene zukünftige Rolle im regionalen Versorgungsnetzwerk definiert, kann einen klaren medizin-strategischen Plan entwickeln. Diese vorausschauende Strategie schafft nicht nur Planungssicherheit, sondern bildet auch die Grundlage, um Fördermittel gezielt und wirkungsvoll einzusetzen. Die strategische Ausrichtung eines Krankenhauses sollte dabei allerdings nicht nur medizinisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich tragfähig sein.
 

Business-Plan als ein Schlüssel zum Erfolg

Ein zentraler Erfolgsfaktor für die erfolgreiche Beantragung von Fördermitteln aus dem Krankenhaustransformationsfonds ist ein überzeugender Business-Plan. Dieser muss deutlich machen, wie das geplante Vorhaben zur strukturellen Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft beiträgt, etwa durch die Konzentration von Leistungen, die Bildung spezialisierter Zentren oder die Integration sektorenübergreifender Versorgungsformen. Darüber hinaus ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts darzulegen: Es muss nachvollziehbar sein, dass die Maßnahme langfristig finanzierbar ist und zur Stabilisierung oder Verbesserung der wirtschaftlichen Situation des Hauses beiträgt. Ebenso ist die Rechtskonformität zu prüfen und darzustellen, insbesondere im Hinblick auf das Wettbewerbs- und Beihilferecht. Schlussendlich sollte der Business-Plan eine positive Fortführungsprognose für den Standort enthalten, also eine realistische Einschätzung, dass das Krankenhaus auch nach Umsetzung der Maßnahme dauerhaft betrieben werden kann und eine relevante Rolle in der regionalen Versorgung einnimmt.
 

Fazit

Die Krankenhausreform ist mehr als eine finanzielle Förderung – sie ist ein Weckruf zur strategischen Neuausrichtung. Der Krankenhaustransformationsfonds bietet die einmalige Gelegenheit, notwendige Veränderungen aktiv zu gestalten und die eigene Position im Gesundheitswesen zu stärken. Wer jetzt die richtigen Entscheidungen trifft, sich strategisch gut aufstellt und dies auch in einem überzeugendem Business-Plan darlegt, kann nicht nur Fördermittel für das eigene Krankenhaus sichern, sondern auch die zukünftige medizinische Versorgung nachhaltig verbessern. Dabei kann es helfen, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich durch externe Experten im Rahmen einer gezielten individuellen Marktanalyse und einer fundierten Prognose der Leistungsentwicklung und der zukünftig zu erwartenden Wirtschaftlichkeit unterstützen zu lassen. Die Zeit zum Handeln ist jetzt – denn die Versorgungsregionen werden neu zugeschnitten, und wer zu spät kommt riskiert, dass andere über die eigene Rolle entscheiden.

Autor
Autor
Autor
Leitung Geschäftsfeld Restrukturierung und Sanierung
Autor
Leitung Geschäftsfeld Strategie, Analytik und Transformation

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten

phone
mail Pfeil weiß