Jahresabschluss nach BilRUG

Am 23. Juli 2015 ist das Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) in Kraft getreten. Auch wenn das BilRUG im Wesentlichen erst für die Erstellung des Jahresabschlusses 2016 zur Anwendung kommt, sollten bereits im laufenden Geschäftsjahr – insbesondere aufgrund der Neudefinition der Umsatzerlöse – notwendige Umstellungen in den Kontenzuordnungen und Buchungsanweisungen von sozialtätigen Unternehmen erfolgen, um einen erhöhten Arbeitsaufwand im Rahmen der Abschlusserstellung 2016 zu vermeiden.


Mit dem BilRUG fallen unter Umsatzerlöse nunmehr sämtliche Erlöse aus dem Verkauf und der Vermietung und Verpachtung von Produkten sowie aus der Erbringung von Dienstleistungen. Die Abgrenzung der Umsatzerlöse richtet sich daher nach einem bestehenden Leistungsaustausch.  Die Betragshöhe des Postens der sonstigen betrieblichen Erträge in einem handelsrechtlichen Abschluss vermindert sich als Folge der Neudefinition wesentlich, da Erträge in Zukunft im Regelfall den Umsatzerlösen zuzuordnen sind. Entsprechend fallen nun auch Erträge aus Hilfs- und Nebenbetrieben wie Erträge aus Apothekenverkäufen, Küche, Wäscherei oder Cafeteria, oder Mieterträge unter die Umsatzerlöse. Vergleichsweise wenige Erträge sind hingegen in einem handelsrechtlichen Abschluss weiterhin unter den sonstigen betrieblichen Erträgen auszuweisen.

 

Dies sind im Wesentlichen

  • Erträge, welche vor BilRUG als außerordentliche Erträge einzustufen waren,
  • Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen,
  • Erträge aus der Veräußerung von Anlagevermögen,
  • Versicherungserstattungen,
  • Spenden,
  • Erstattungen von Arbeitsämtern.

Umstellungen sind allerdings nicht nur bei den sonstigen betrieblichen Erträge vorzunehmen, sondern auch bei korrespondierenden Bilanzposten (bspw. Konten-umgliederungen aus den sonstigen Vermögensgegenständen in die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) sowie bei Aufwandsposten (bspw. Kontenumgliederungen von den sonstigen betrieblichen Aufwendungen in den Materialaufwand). Zudem wird häufig das Berichtswesen anzupassen sein, da sich in Folge der Kontenumgliederungen auch Kennzahlen der Unternehmen verändern.


Besonderheiten für Krankenhäuser und Pflegeinrichtungen sind aufgrund der Krankenhaus-Buchführungsverordnung (KHBV) und der Pflege-Buchführungsverordnung (PBV) zu beachten: In den Ausweisvorschriften der KHBV und PBV hat der Gesetzgeber noch nicht auf die definitorische Änderung der Umsatzerlöse reagiert. Dennoch ist auf eine Anpassung der KHBV und PBV an die neue Rechtslage zu hoffen, sodass nicht nur aus diesem Grund in einem Krankenhaus oder in einer Pflegeeinrichtung bereits frühzeitig eine Einteilung der sonstigen betrieblichen Erträge entsprechend der neuen  Definition der Umsatzerlöse vorgenommen werden sollte.


Folgende Arbeitshilfe zur Einordnung von Geschäftsvorfällen gemäß BilRUG haben wir Ihnen zum Download zur Verfügung gestellt:

Einordnung von Geschäftsvorfällen gemäß BilRUG

 

Kontakt
Ihre Ansprechpartner an unseren Standorten:
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WP StB
Dirk Riesenbeck-Müller
+49 (0)6131-21136-0
 
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Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Riesenbeck-Müller
Schwerpunkte
  • Steuerliche Beratung und Prüfung von Vereinen, Stiftungen und GmbHs
  • Neu- und Umstrukturierungen
Veröffentlichungen in der Fachpresse
2016
  • Rheinland-Pfalz: Nicht verwendete Instandhaltungsmittel passivieren: Das Altenheim, 6/2016,
    S. 34-35.
  • Keine Nachbesserung in Sicht: Health&Care Management, 6/2016, S. 46-47.
  • Finanzierung wird verbessert: CAREkonkret, 4/2016.
Köln
WP StB
Stefan Szük
+49 (0)2203 8997-210
 
Teamleiter, Prokurist
Solidaris Revisions-GmbH
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Szük
Stefan Szük
  • Studium der Betriebswirtschaftslehre (Diplom 2006) an der Universität Köln
  • Berufsexamen zum Steuerberater (2008) und Wirtschaftsprüfer (2011)
  • Leiter des KompetenzTeams Prüfung
  • Leiter des Solidaris BranchenTeams Kinder- und Jugendhilfe/Bildung
Schwerpunkte
  • Jahresabschluss- / Konzernabschlussprüfungen
  • Rechnungslegung und Prüfung von Krankenhäusern, Komplexeinrichtungen Einrichtungen der Alten- und der Kinder- und Jugendhilfe im gemeinnützigen Bereich
  • Beratung von Organisationen im Gesundheits- und Sozialwesen, insbesondere bei steuerrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen
  • Begleitung von Umstrukturierungen, Kooperationen und Transaktionen
  • Prüfung von Businessplänen
  • externe und interne Referententätigkeit zur Rechnungslegung und Prüfung
  • Fachartikel zur Rechnungslegung und Prüfung von Non-Profit-Organisationen
Veröffentlichungen in der Fachpresse
2016
  • Abschreibungsfinanzierung mittels "Schütt-aus-Hol-zurück"-Methode bei Krankenhäusern: WPg, 5/2017, S. 576-582.