Intersektorale Gesundheitszentren – Chance für kleine Krankenhäuser?!

Die gegenwärtigen Versorgungsstrukturen des deutschen Gesundheitssystems sind nach wie vor durch einestarke Fragmentierung gekennzeichnet. Gleichzeitig bringen sowohl der demografische als auch der strukturelle Wandel insbesondere für kleine Krankenhäuser in strukturschwachen Regionen große Herausforderungen mit sich. Dies ist verbunden mit einer fortwährenden Diskussion über den Einsatz n

Intersektorale Gesundheitszentren

Die gegenwärtigen Versorgungsstrukturen des deutschen Gesundheitssystems sind nach wie vor durch eine
starke Fragmentierung gekennzeichnet. Gleichzeitig bringen sowohl der demografische als auch der strukturelle Wandel insbesondere für kleine Krankenhäuser in strukturschwachen Regionen große Herausforderungen mit sich. Dies ist verbunden mit einer fortwährenden Diskussion über den Einsatz neuer Versorgungsformen. Ein Themenschwerpunkt ist dabei die Betrachtung des potenziellen Mehrwerts innovativer Versorgungskonzepte hinsichtlich der Steigerung von Effizienz und Effektivität der Gesundheitsversorgung.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, in dessen Zuge zum einen die Alterung der Bevölkerung und zum anderen aufgrund der medizinisch-technologischen Entwicklung eine gestiegene und weiterhin steigende Lebenserwartung zu beobachten ist, besteht weiterer Handlungsbedarf. Das Krankheitsspektrum hat sich hin zu Multimorbidität und vermehrt chronischen Erkrankungen gewandelt. Aufgrund der veränderten Krankheitsbilder und der Differenzierung medizinischer Fachdisziplinen ist es erforderlich, dass der Informationsaustausch an den Schnittstellen der einzelnen Versorgungssektoren koordiniert und optimiert wird. Insbesondere im Hinblick auf eine patientenorientierte Struktur im Versorgungsprozess bedeutet dies, dass der Patient hinsichtlich des Ressourceneinsatzes möglichst effektiv und effizient durch das Gesundheitssystem gelotst werden sollte. Bezüglich der Sicherstellung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum und in strukturell schwächeren Regionen stellen diese Entwicklungen zusätzliche Herausforderungen dar.

Der Gesetzgeber hat darauf reagiert und Möglichkeiten eröffnet, Versorgungsformen zu entwickeln, die über die bislang im Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) enthaltenen Formen hinausgehen. Bereits im SGB V definierte Handlungsformen, mit denen die qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung in Deutschland sichergestellt werden soll, umfassen zum Beispiel die besondere Versorgung nach § 140a SGB V, Modellvorhaben nach §§ 63 – 65 SGB V sowie Medizinische Versorgungszentren nach § 95 SGB V.

Wie aktuelle Studienergebnisse der Oberender AG in Zusammenarbeit mit einem Team der Universität Bayreuth

  • beauftragt durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung
  • belegen, bietet eine Erweiterung der ambulanten

Versorgung, insbesondere in ländlichen Gebieten, hin zu ambulanten Versorgungszentren und damit der Bündelung der Versorgungsaktivitäten hohes Potenzial im Rahmen der Bemühungen, einerseits die Gesundheitsversorgung auf dem Land sicherzustellen und anderseits die dortige Versorgungsqualität auf einem adäquaten Niveau zu halten. Im Rahmen der Studie wurde das Konzept der intersektoralen Gesundheitszentren (IGZ) untersucht. Es handelt sich dabei um ein Versorgungskonzept, das einerseits die klassische ambulante Versorgung und andererseits die erweiterte ambulante Versorgung umfasst. Die sogenannten Kernleistungen erstrecken sich auf allgemeinärztliche, internistische
und weitere konservative Angebote durch niedergelassene Ärzte und qualifiziertes Pflegepersonal.

Durch eine Verankerung der IGZ im ambulanten Sektor wird es möglich, zukünftig Leistungen ambulant zu erbringen, die gegenwärtig noch stationär erbracht werden. Durch den Zusammenschluss zu bzw. die Umwandlung in ambulante Zentren wird das Ziel verfolgt, Krankenhäuser an strukturschwachen Standorten zu stärken und darüber hinaus eine Verbesserung und gesteigerte Bedürfnisorientierung des medizinischen Angebotes sowie eine Aufrechterhaltung und Steigerung des Qualitätsniveaus der wohnortnahen Versorgung zu ermöglichen. Insgesamt zielt das Konzept darauf ab, kleine Krankenhäuser vor der Schließung zu bewahren und ihr langfristiges Fortbestehen sicherzustellen. Als Voraussetzung für infrage kommende Krankenhäuser gilt, dass sich die entsprechende Einrichtung sowohl in öffentlicher Trägerschaft befindet als auch der Grund- und Regelversorgung angehören muss. Die Bettenzahl sollte im Idealfall zwischen 51 und 150 Betten liegen.

Während zur Finanzierung innovativer Versorgungsformen bereits diverse Modelle existieren, herrscht hinsichtlich möglicher Finanzierungsstrukturen von IGZ bislang noch Unklarheit. Zwar wird im Rahmen der oben genannten Studie vorgeschlagen, die Finanzierung ähnlich der ambulanten Versorgung über Verträge der integrierten Versorgung abzubilden, jedoch ist der Versuch einersinnvollen bzw. geeigneten Verknüpfung der Vergütungssysteme des ambulanten und stationären Sektors bislang nicht gelungen.

Insgesamt herrscht hohe Einigkeit darüber, dass das Versorgungskonzept der IGZ zur Erreichung der Sicherstellung von Versorgungsstrukturen sowie der Aufrechterhaltung des Niveaus der Versorgungsqualität eine mögliche zukunftsfähige Alternative für kleine, von der Schließung bedrohte, Krankenhäuser im ländlichen Raum darstellt. In Bezug auf die Finanzierungssystematik ist jedoch weiterhin erheblicher Entwicklungsaufwand erforderlich.

Praxis-Hinweis

Während ein Finanzierungsmodell in Anlehnung an das System des ambulanten Sektors angewandt werden könnte, ist der grundsätzliche Ablauf der Etablierung des Konzeptes fraglich. Da bislang noch kein konkretes bzw. idealtypisches Anwendungsbeispiel existiert und in diesem Zusammenhang quasi Pionierarbeit geleistet werden muss, ist es ratsam, den Transformationsprozess keinesfalls „nebenherlaufen zu lassen“, sondern nach Möglichkeit professionelle Unterstützung hinzuziehen. So gelingt einerseits die strukturierte Vorgehensweise (Abwicklungsprozess) und andererseits die Sicherung einer nachhaltigen Finanzierung diverser Umstrukturierungsmaßnahmen, auch durch Fördermittel (z. B. aus dem Krankenhausstrukturfonds). Unabhängig davon kann kleinen Häusern empfohlen werden zu prüfen, ob alternative bzw. innovative Versorgungsformen eine lohnende Entwicklungsperspektive darstellen. Insbesondere in Bezug auf den potenziellen Verlust der stationären Strukturen ist eine Umwandlung der betreffenden Krankenhäuser in eine Fachklinik als Möglichkeit der Profilschärfung denkbar.


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