Betriebsvergleich Altenheime 2020

Betriebsvergleich Altenheime

Struktur und Leistung der einbezogenen Altenheime

Der Betriebsvergleich Altenheime der Solidaris enthält für das Jahr 2020 die Daten von rund 140 Altenheimen aus dem Mandantenkreis der Solidaris. Altenheime mit 50 bis unter 90 Plätzen sind dabei mit 46,8 % am häufigsten vertreten, gefolgt von Altenheimen mit 90 bis 129 Plätzen mit 26,6 %. Altenheime mit 130 Plätzen und mehr machen 19,4 % und solche mit weniger als 50 Plätzen 7,2 % aller einbezogenen Altenheime aus. Im Durchschnitt verfügt ein Altenheim über 110 Plätze.

Die geleisteten Pflegetage lagen im Jahr 2020 im Durchschnitt bei rund 36.800 Tagen, was einer Auslastung von 94,6 % entspricht. Betrachtet man die Pflegeleistungsstruktur, d. h. den Anteil der einzelnen Pflegegrade an den insgesamt im Jahr 2020 geleisteten Pflegetagen, so ergibt sich folgendes Bild:

Pflegeleistungsstruktur

Pflegeleistungsstruktur Betriebsvergleich Altenheime 2020

Die Altenheimbewohner sind weit überwiegend in den Pflegegraden 3 und 4 eingestuft: Rund zwei Drittel aller Fälle fallen in einen der beiden Pflegegrade. Der Pflegegrad 1 ist nur marginal vertreten. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich bei der Pflegeleistungsstruktur nur geringfügige Veränderungen ergeben. Die Leistungsstrukturziffer, die sich aus dem Pflegegrad-Mix ergibt (d. h. aus der entsprechend den Pflegegraden gewichteten Pflegeleistung in Relation zu den ungewichteten Pflegetagen), liegt in 2020 nahezu unverändert zu den Vorjahren bei 1,78 (2019 1,75 und 2018 1,74). Bei einem jahresdurchschnittlichen Personaleinsatz von 75 Vollkräften (davon etwa 50 Vollkräfte im Pflegedienst) bedeutet dies bei den oben angegebenen geleisteten Pflegetagen wie in den Vorjahren eine Personal-Belastungsziffer von 1,4. Damit entfallen auf das insgesamt eingesetzte Personal rund 1,4 Heimbewohner je Vollkraft. Bezogen auf den Pflegedienst versorgt eine Pflegevollkraft im Durchschnitt ca. 2,2 Bewohner. Auch dieser Wert hat sich im Vergleich zu den beiden Vorjahren nahezu nicht verändert.

Ertragslage

Auch im Bereich der Altenpflege war das Jahr 2020 durch die Corona-Pandemie geprägt. Insbesondere davon betroffen waren der ambulante und der teilstationäre Bereich. Für die stationäre Altenpflege waren deutliche Anstrengungen im Bereich der Hygienemaßnahmen notwendig, um Heimbewohner und Personal vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Außerdem gestaltete sich die Belegung freier Plätze hierdurch deutlich aufwendiger. Coronabedingt entstandene Mehraufwendungen und Mindererlöse wurden durch entsprechende Ausgleichszahlungen des sogenannten Rettungsschirms Pflege kompensiert, um die besonderen Belastungen in der Altenpflege abzufedern und negative Folgen für die Ertragslage möglichst zu vermeiden.

Die durchschnittlichen Entgelte nach Pflegegraden stellen sich im Vorjahresvergleich wie folgt dar:

Leistungsentgelte (EUR)

Leistungsentgelte im Betriebsvergleich Altenheime 2020

Der Anstieg beträgt bei den Pflegegraden 2 bis 5 von 2018 bis 2020 zwischen 3,6 % und 5,7 %. Die Entgelte für Unterkunft und Verpflegung haben sich im selben Zeitraum um ca. 3 % erhöht, wobei dieser Entgeltbestandteil eine deutliche Streuung zwischen den verschiedenen Bundesländern aufweist.

Wesentlicher Aufwandsfaktor von Altenheimen ist mit durchschnittlich rund 64 % des gesamten betrieblichen Aufwandes der Personalaufwand. Der durchschnittliche Personalaufwand je Vollkraft beträgt im Jahr 2020 rund 54,9 TEUR. Auf der Ertragsseite sind die Umsatzerlöse mit einem Anteil von 95 % an den betrieblichen Erträgen der wesentliche Faktor. Die Entwicklung dieser Einflussgrößen in Relation zum beschäftigten Personal insgesamt und für den Pflegedienst ist in der nachfolgenden Abbildung über drei Jahre dargestellt.

Personalaufwand und Erlöse je Vollkraft (TEUR)

Personalaufwand und Erlös im Betriebsvergleich Altenheime 2020

Der Personalaufwand je Vollkraft weist in 2020 gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 4 % auf. Neben tarif- und vergütungsrechtlichen Steigerungen sind im Jahr 2020 auch Zahlungen von Corona-Prämien zu berücksichtigen. Zugleich sind die Umsatzerlöse je Vollkraft mit einer Zunahme um 2,2 % weniger deutlich gestiegen. Betrachtet man den Personalaufwand je Vollkraft sowie die Umsatzerlöse je Vollkraft ausschließlich für den Pflegedienst, so ist bei beiden Kennzahlen ein nahezu identischer Anstieg zu verzeichnen: Während sich der Personalaufwand je Pflegevollkraft durchschnittlich um ca. 2 % erhöht hat, sind die Pflegeerlöse je Pflegevollkraft im Durchschnitt um 1,5 % gestiegen.

Insgesamt konnten die einbezogenen Altenheime im Durchschnitt des Jahres 2020 ein positives Jahresergebnis etwas über dem Vorjahresniveau erzielen. Dies betrifft insbesondere den Leistungsbereich, wobei auch der Investitionsbereich im Durchschnitt leicht positiv schließt. Allerdings verzeichnen knapp 20 % der einbezogenen Altenheime (Vorjahr 30 %) ein negatives Jahresergebnis, während 80 % der Altenheime ein positives Jahresergebnis erreichen konnten. Die erzielte EBITDA-Marge liegt über alle einbezogenen ­Altenheime in 2020 bei rund 7,7 % (Vorjahr 6,6 %).

Vermögens- und Finanzlage

Insgesamt machen Sachanlagen einschließlich der immateriellen Vermögensgegenstände fast 70 % des Gesamtvermögens aus. Bei denjenigen Altenheimen, die über eine eigene Immobilie verfügen, beträgt dieser Anteil gut 75 % des Gesamtvermögens. Bei einer Anlagenaltersquote von 45 % (d. h. das Sachanlagevermögen ist bereits zu mehr als der Hälfte abgeschrieben) sind in den kommenden Jahren weiterhin deutliche Investitionen zur Erhaltung der Sachanlagen zu erwarten. Die Investitionsquote (Verhältnis der Investitionen in immaterielles Vermögen und Sachanlagen zu den nicht geförderten Abschreibungen auf diese Anlagegüter) liegt im Jahr 2020 mit 107 % leicht unter dem Vorjahreswert (112 %).

Insgesamt verfügen die einbezogenen Altenheime in 2020 über eine Eigenkapitalquote von rund 38 % im Durchschnitt, weitere 36 % der Bilanzsumme (45 % des langfristigen Kapitals) werden über Darlehen sichergestellt. Das langfristige Kapital hat einen Anteil von 86 % am Gesamtkapital. Das langfristige Vermögen der Altenheime wird damit deutlich vom langfristigen Kapital überdeckt, was für eine solide Finanzierungsstruktur spricht.

Der Deckungsfaktor (Liquidität auf kurze Sicht im Verhältnis zum betriebsgewöhnlichen Finanzbedarf pro Woche) beträgt in 2020 rund zehn Wochen und liegt damit auf Vorjahresniveau. Der Einzugsfaktor beträgt etwa zwei Wochen, d. h. Forderungen werden im Durchschnitt innerhalb von zwei Wochen in Liquidität umgesetzt.

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