Aktuelle Herausforderungen für Krankenhäuser bei der Landeskrankenhausplanung am Beispiel Nordrhein-Westfalen

Die Bundesregierung hat im Zuge der konkurrierenden Gesetzgebung gem. Art. 74 Nr. 19 Grundgesetz (GG) die Verantwortung der Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit Krankenhausleistungen auf die Länder übertragen. Damit gibt das Bundesrecht lediglich den rechtlichen Rahmen vor, der durch die Länder weiter auszugestalten ist.

So besagt das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG), dass die Länder zur Aufstellung und Fortschreibung der Krankenhauspläne verpflichtet sind. Weitere Konkretisierungen finden sich in den jeweiligen Landeskrankenhausgesetzen (s. Abbildung 1).

Abbildung 1: Bundes- und landesrechtliche Rahmenvorgaben zur Krankenhausplanung

In vielen Bundesländern hat sich die Krankenhausplanung mittlerweile von einer Detailplanung zu einer Rahmenplanung weiterentwickelt, die auf die Festlegung von Betten, Schwerpunkten und Versorgungsaufträgen für einzelne Krankenhäuser verzichtet. In diesem Sinne hat beispielsweise auch Nordrhein-Westfalen im Jahr 2013 nach mehr als elf Jahren einen neuen Landeskrankenhausplan erhalten. Der „Krankenhausplan NRW 2015“ trat mit Wirkung zum 23. Juli 2013 in Kraft und bildet die Grundlage zur Erfüllung der bundes- und landesrechtlichen Vorgaben zur Sicherstellung einer flächendeckendenden und bedarfsgerechten Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen, eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern gemäß Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG).

Der Versorgungsauftrag eines Plankrankenhauses ergibt sich durch die Krankenhausplanung der Länder und dem daraus resultierenden Feststellungsbescheid. Gemäß des Krankenhausgestaltungsgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen (KHGG NRW) besteht der Krankenhausplan in Nordrhein-Westfalen aus Rahmenvorgaben und regionalen Planungskonzepten (s. Abbildung 2). Die Ergebnisse dieser beiden Bestandteile werden durch den Feststellungsbescheid der zuständigen Behörde Teil des Krankenhausplans.

 

Abbildung 2: Landesrechtliche Vorgaben zur Krankenhausplanung in NRW

 

Insgesamt prognostiziert der Krankenhausrahmenplan einen sinkenden Bettenbedarf von rund 124.000 Betten im Jahr 2010 auf etwa 114.000 Betten und Behandlungsplätze im Jahr 2015, auch wenn für einzelne Fachrichtungen ein steigender Bedarf konstatiert wird.


Als Rahmenplan enthält der Krankenhausplan NRW 2015 keine Festlegungen für einzelne Krankenhäuser, ebenso wird auf die Planung von Teilgebieten, wie z.B. bei Innerer Medizin oder Chirurgie verzichtet. Hierdurch soll die Flexibilität der Krankenhäuser hinsichtlich der Vereinbarung bestimmter Leistungen mit den Kostenträgern erhöht werden. Allerdings berücksichtigt der aktuelle Krankenhausplan vermehrt Qualitäts- und Strukturvorgaben um eine qualitativ hochwertige Leistungserbringung zu sichern. Darüber hinaus werden für einzelne Gebiete gesonderte Konzepte vorgelegt, wie z.B. die Geriatrie, die Psychosomatik und die Frühgeborenenversorgung.


Aufgrund der Zielsetzung des Landesministeriums der Umsetzung der qualitativen und quantitativen Festlegungen bis Ende 2015 beschäftigen sich Krankenhäuser aktuell vermehrt mit dem Thema der konzeptionellen Umsetzung der Planvorgaben im Rahmen der langfristigen Strategieplanung.


Krankenhäuser sollten im Rahmen ihrer strategischen Weiterentwicklung die angesichts der weggefallenen Schwerpunkt- und Teilgebieteplanung deutlich größere Gestaltungsfreiheit nutzen. Innerhalb der dem Krankenhaus zugewiesenen Planbetten je (Haupt-)Gebiet können grundsätzlich auch sämtliche Subdisziplinen dieser Bereiche erbracht werden, solange die erforderlichen qualitativen Vorgaben erfüllt werden können. Dies eröffnet eine größere Flexibilität bei der Ausgestaltung des Leistungsangebotes sowie eine Möglichkeit zur kurzfristigen Reaktion auf Schwankungen im Bedarf oder unwirtschaftliche Leistungsbereiche.


Eine Konkretisierung der Rahmenvorgaben erfolgt in regionalen Planungskonzepten, die nach Bewertung durch die jeweiligen Bezirksregierungen abschließend vom zuständigen Ministerium entschieden werden. Das Verfahren der regionalen Planungskonzepte ist im § 14 KHGG NRW geregelt.


Krankenhausträger, Verbände der Krankenkassen oder auch die zuständigen Ministerien selbst können zu Verhandlungen über ein regionales Planungskonzept auffordern. Für Krankenhäuser, die ein solches Verfahren einleiten oder zur Teilnahme aufgefordert werden, ist es wichtig, mittels schlüssiger Konzepte den eigenen Standpunkt darzustellen. Dabei sollten Vorgaben und Anforderungen zu Mindestmengen, Strukturvorgaben oder durch den Krankenhausplan selbst bei der Angebots- und Strategieplanung berücksichtigt werden. Beispielhaft zu nennen wäre eine Darstellung des qualitativen und quantitativen Versorgungsbedarfs, Überlegungen zur wohnortnahen Versorgung, die Wirtschaftlichkeit des Leistungsangebotes u.v.m.

Mittels eigener, kleinräumiger detaillierter Analysen und Berechnungen kann die Einrichtung einerseits die eigenen Ansprüche begründen und andererseits gleichzeitig die Behörden unterstützen und Interpretationshilfe geben. Eine visuell ansprechende Aufbereitung der Informationen mittels Geokodierung, Diagrammen oder Schaubildern leistet ebenfalls einen Beitrag zum erfolgreichen Abschluss. Darüber hinaus ist die glaubwürdige Darlegung der Erfüllung von Qualitätsvorgaben von zunehmender Wichtigkeit und kann neben den Zahlen, Daten und Fakten ein entscheidendes Kriterium für das positive Votum eines Konzeptes sein, wenn sich hierdurch von Mitbewerbern abgehoben werden kann.


Praxis-Tipp: Ein schlüssiges Behandlungskonzept kann in Kombination mit einer fundierten Darstellung des Behandlungsbedarfes der Türöffner für den erfolgreichen Abschluss eines regionalen Planungskonzeptes sein. Die Solidaris Unternehmensberatungs-GmbH unterstützt Sie gerne bei der Ausarbeitung und Weiterentwicklung ihrer konzeptionellen Überlegungen sowie bei der Antragstellung. Hierfür greift unser erfahrenes Beraterteam auf umfangreiche Erfahrungen aus einer Vielzahl an Projekten zur Krankenhausplanung und Strategieberatung zurück und unterstützt Sie bedarfsgerecht mit individuellen Konzepten und Datenanalysen sowie fachlicher Expertise.

 

Kontakt
Ihre Ansprechpartner an unseren Standorten:
Köln
M.A.
Ivan Panayotov
+49 (0)2203 8997-136
 
Leiter Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit
Solidaris Unternehmensgruppe
Panayotov

Ivan Panayotov

  • Studium der Medienwissenschaft, Deutsche und Englische Philologie an der Universität zu Köln (Magister 2010)
  • Ausbildung zum qualitativen Markt- und Medienforscher bei der Rheingold Akademie in Köln
    (Abschluss 2006)

Schwerpunkte

  • Strategisches und operatives Marketing
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Unternehmenskommunikation 
  • Mediamanagement (On-/Offline) und Redaktion
  • Eventmanagement und Sponsoring