PpSG und Pflegebudget ab 2020: Kostenausgliederung und Finanzplanung im Krankenhaus

Mit der Einführung des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes (PpSG) am 11. Dezember 2018 trat eine wesentliche und kurzfristige Veränderung von gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser ein. Zukünftig werden aus den bisherigen DRGs die Pflegekosten herausgelöst und in Form eines Pflegebudgets vollumfänglich refinanziert. Demnach werden im Entgeltkatalog 2020 die bisher DRG-relevanten Kosten um die in der Kalkulation berücksichtigten Pflegepersonalkosten für die unmittelbare Patientenversorgung auf bettenführenden Stationen bereinigt. Die ausgegliederten Personalkosten des Pflegedienstes werden ab 2020 durch das Pflegebudget finanziert.

Pflegebudgetrelevant und somit auszugliedern sind jedoch nur die Pflegepersonalkosten auf der Normalstation, Intensivstation, der Dialyse-Abteilung und einer etwaigen bettenführenden Aufnahmestation. Im Ergebnis entstehen somit zwei Systeme der Krankenhausfinanzierung, das aDRG-System ohne Pflegekosten und das Pflegebudget. Auf Seiten der Krankenhäuser sollen durch das Pflegebudget die tatsächlichen Personalkosten der Pflege vollumfänglich finanziert werden. Zur Bestimmung des Pflegebudgets wurde zwischen den Selbstverwaltungspartnern die Pflegepersonalkostenabgrenzungsvereinbarung (PPKAV) verhandelt und zum 18. Februar 2019 beschlossen.

Die Vereinbarung soll die größtmögliche Kongruenz zwischen der Ausgliederung der Pflegepersonalkosten auf Bundesebene und der Abgrenzung der Pflegepersonalkosten der Krankenhäuser sicherstellen. Es gilt der Grundsatz: Eine Doppelfinanzierung ist zu vermeiden. Die Abgrenzung der Pflegepersonalkosten orientiert sich an den Vorgaben der KHBV unter Berücksichtigung der Vorgaben des InEK-Kalkulationshandbuches. Bei Abweichungen in der PPKAV gelten diese expliziten Regeln vorrangig. Die Vorgehensweise zur Budgetermittlung lässt sich grob in drei Schritten zusammenfassen.

Zu Beginn wird die Ausgangsbasis der pflegebudgetrelevanten Kosten ermittelt. Anschließend erfolgt eine Abgrenzung nicht pflegebudgetrelevanter Kosten sowie im letzten Schritt eine Zurechnung weiterer pflegebudgetrelevanter Kostenanteile.

  • In der Ausgangsbasis werden die Pflegepersonalkosten der Dienstart 01 (DA01) nach KHBV berücksichtigt, dies sind Kosten für Pflege- und Pflegehilfskräfte der unmittelbaren Patientenversorgung auf bettenführenden Stationen (Normalstation, Intensivstation,  Dialyse  und bettenführende  Aufnahme). Die PPKAV zählt in Anlage 3 abschließend die qualifizierten Pflegeberufe mit 3-jähriger und die Pflegehilfsberufe mit mindestens 1-jähriger Ausbildung auf. Zu den Pflegekosten zählen nach der KHBV auch die Kosten der Bereichs- und Stationsleitung.

    Krankenpflegeschüler sowie Stationssekretärinnen, die im Dienstplan enthalten sind, gehören nach KHBV ebenso zur DA01 und damit zum Pflegebudget. Auch Gestellungsgelder für Fremdpersonal sind vollumfänglich im Pflegebudget zu berücksichtigen. In Abweichung von den Vorgaben der DRG-Kalkulation sind die tatsächlichen Zahlungen für den Ausgleich von Mehrarbeit, Urlaubsansprüchen, Pensionsverpflichtungen und variabler Vergütungsbestandteile relevant.

  • Im zweiten Schritt sind nicht-pflegebudgetrelevante Kosten abzugrenzen. Man unterscheidet zwischen vollumfänglicher und anteiliger Abgrenzung. Abzugrenzen sind alle Kosten, die durch andere Finanzierungstatbestände gedeckt sind, wie z. B. die Psychiatrie und Psychosomatik oder ambulante Leistungsbereiche. Die vollumfänglichen Abgrenzungen beinhalten alle Pflegepersonalkosten im Operationssaal, in der Anästhesie, in diagnostischen und in therapeutischen Bereichen, da diese Bereiche weiterhin über die Fallpauschalen finanziert werden. Außerdem sind die Kosten der Pflegedienstleistungen im Krankenhausdirektorium, Patiententransporte sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen abzugrenzen. Eine anteilige Abgrenzung ist immer vorzunehmen, wenn das Pflegepersonal neben der unmittelbaren Patientenversorgung auch in auszugrenzenden Bereichen tätig ist.




    Grundsätzlich erfolgt eine Abgrenzung gemäß dem anteiligen Tätigkeitsumfang. Für die Abgrenzung eignen sich Stellen- oder Dienstpläne sowie Zeiterfassungssysteme. Sind keine geeigneten Unterlagen vorhanden, können verschiedene Verrechnungsschlüssel, wie z. B. Stundenaufzeichnungen oder die PPR Anwendung finden. Diese gesonderte Form der Ausgrenzung betrifft verschiedenste Bereiche. Zum Beispiel werden die Stunden der Praxisanleitung für Krankenpflegeschüler über das Ausbildungsbudget finanziert, daher sind die Stunden der Praxisanleitung für das Pflegebudget abzugrenzen.

  • Im dritten Schritt können dem Pflegebudget weitere Kosten hinzugerechnet werden. Dies betrifft insbesondere die Personalkosten der Auszubildenden, die nicht über das Ausbildungsbudget finanziert werden. Enthalten Leistungen von Dritten Kosten für die Pflege, können diese ebenfalls im Pflegebudget abgebildet werden. Hierzu ist ein separater Ausweis auf der Rechnung notwendig. Zusätzlich ist im Pflegebudget der auf das Pflegepersonal in der unmittelbaren Patientenversorgung entfallende Anteil der BG-Beiträge und Zusatzversorgungskassen zu berücksichtigen. Für die Finanzierung pflegeentlastender Maßnahmen können dem Pflegebudget die durch die Maßnahme eingesparten Pflegepersonalkosten hinzugerechnet werden. Das Pflegebudget kann so um bis zu 3 % erhöht werden. Es ist davon auszugehen, dass dies mit hohen Nachweispflichten verbunden sein wird.

Praxis-Hinweis PpSG und Pflegebudget ab 2020: Kostenausgliederung und Finanzplanung im Krankenhaus

Die korrekte Ermittlung des Pflegebudgets und seine zeitnahe Vereinbarung sind ein wesentlicher Faktor der zukünftigen Finanzierung der Krankenhausfinanzierung und erfordern eingehende Beschäftigung. Gerne unterstützen wir Sie bei allen diesbezüglichen Aufgaben.

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Anna Katharina Neumann
  • Bachelorstudium im Fachbereich Management im Gesundheitswesen mit dem Schwerpunkt Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen
  • Masterstudium im Fachbereich Public Health
  • Werkstudententätigkeit im strategischen Leistungs- und Gesundheitsmanagement einer privaten Krankenversicherung
  • Seit 1. März 2018 bei der Solidaris Unternehmensberatungs-GmbH tätig
Schwerpunkte
  • Beratung in Fragestellungen der Strategie und Organisationsentwicklung im Gesundheits- und Sozialwesen
  • Markt- und Wettbewerbsanalysen
  • Konzepte zur wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit
  • Begleitung bei Transaktionsprojekten (u. a. strukturierte Bieterverfahren)
  • Begleitung bei der InEK-Kalkulation, Kostenträgerrechnung
Veröffentlichungen in der Fachpresse
2019
  • Sicherstellungszuschläge. Defizite ausgleichen. Health&Care Management, 7-8/2019, S. 56-57.
  • Psych-Krankenhausvergleich und Psych-Budgetverhandlung 2020: Welche Neuerungen sind zu erwarten?: Health&Care Management, 9/2019, S. 58-59.
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Veröffentlichungen in der Fachpresse
2018
  • Transparenz schaffen und Performance steigern: Health&Care Management, 11/2018, S. 58-59.